Samstag, 13. Oktober 2012

Lebensweisheiten stimmen nicht immer

Nehmen wir "Der Weg ist das Ziel". Für eine Reise nach Südafrika ist das ein dummer Spruch. Der Weg dorthin ist von Hamburg aus ätzend. Wir flogen knapp 1 1/2 Stunden nach London. In Heathrow hatten wir drei bis vier Stunden Aufenthalt. Dann folgte der ca elfstündige Flug bis Kapstadt. Gestern bzw. vorgestern startete das Ganze dann Retour.
Dazwischen allerdings lagen drei wundervolle Wochen am ZIEL: Mit dem Mietwagen von Guesthouse zu Guesthouse im südlichen Südafrika. Dort war Frühling - und das Ganze war eine echte Traumreise.
An einem der letzten Tage relativierte sich aber sogar der ätzende Weg für uns. Wir nahmen an der Capetown Waterfront die Fähre nach Robben Island. Wenn man gesehen hat, in was was für einem Hundezwinger von Gefängniszelle Nelson Mandela über 20 Jahre lang eingesperrt war, sind elf beengte Flugstunden wirklich bloß Peanuts!
Robben Island hat uns tief getroffen. Vieles andere auf unserer Reise hat uns durch Schönheit berührt. Eine einzigartige Landschaft über die Weinbaugebiete, die knorrige kleine Karoo, die duftenden Zitrusfarmen bis zu den weiten, einsamen Stränden am Indischen Ozean und am Atlantik. Küstenstrassen und Pässe, Strauße, Elefanten und Löwen, Wale und Pinguine und - vor strahlend blauem Himmel in seiner ganzen Pracht - der Tafelberg.
Wir hatten lange Gespräche mit Afrikaans, Englisch und Xosa, auch mit deutschen Einwanderern. Südafrika ist ein Land voller Probleme - und durch und durch liebenswert. Schade, dass es so weit weg ist. Je älter wir werden, um so mehr wird der Weg dorthin uns nerven. Ich hoffe, wir machen uns trotzdem noch mal dorthin auf. Weil in dem Fall eben das Ziel das Ziel ist.  

Montag, 17. September 2012

Fast 14 Tage nicht gebloggt!

Das deutet daraufhin, dass ich anderes zu tun hatte.
Vor allem habe ich mein Manuskript für meinen ersten Roman - ok, eher ein Romänchen - abgegeben. So Ende Oktober bekomme ich das dann zu sehen, so wie es im Buch gesetzt aussehen wird. Dann muss ich ordentlich Korrektur lesen und werde hoffentlich überrascht sein, was mir so alles eingefallen ist. :-)
Ist jedenfalls ne Mischung aus Fantasie und Gemeinderealität. Manche Passagen sind wohl recht witzig. Und diese ganze Vielfalt gibt es dann auf gut 120 Seiten. Soll im Frühjahrsprogramm bei Brendow erscheinen. Sobald der Titel feststeht, werde ich ihn natürlich posten. Irgendwas mit "Undercover" und "Engel" wird darin vermutlich vorkommen.
Außerdem habe ich vor einigen Tagen meine erste Spesenrechnung für Christsein heute abgegeben. Da kam ich mir sehr wichtig vor! Ich war gebeten worden, Maike Ettling zu interviewen. Die ist Missionarin für die Allianz-Mission in Tansania. Derzeit ist sie im Heimataufenthalt mit "Basisstation" bei ihren Eltern in Bremervörde. Christsein heute war bereit, mir die Fahrtkosten dorthin zu erstatten. Allerdings ist das eine üble Gurkerei von mir aus. Und bei den Spritkosten auch nicht grad günstig. Deshalb hatte ich Maike vorgeschlagen, dass wir uns in HH treffen und auf Kosten der Redaktion zum Mittagstisch gehen. Haben wir dann auch gemacht. Und ich habe die Rechnung dann ganz businesslike eingereicht. Das Ergebnis aller Arbeit wird dann wohl in der Novemberzeitschrift zu begutachten sein. Es ist wirklich interessant, was Maike zu erzählen hatte!

Der nächste Post wird erst so in vier Wochen erscheinen. Aber nicht, dass Einbrecher denken, sie hätten freie Bahn! Wir haben "Haussitter" aus der Familie engagiert. :-)

Dienstag, 4. September 2012

Ach ja - die Predigt!

Ich habe gerade gesehen, dass ich ja am 13. August gepostet habe: Ich will berichten, ob die neue Predigt zum ungeliebten Bibeltext von Gott gesegnet war. Da kann ich nun gar nix drüber sagen, weil ich die Predigt ein zweites Mal komplett geändert habe. Die zweite Variante wäre für irgendeinen Abendmahlgottesdienst vielleicht ok gewesen - aber nicht für den ersten Abendmahlgottesdienst nach unserem Abschied von Bärbel. Ich konnte mich gut von allen vermeintlich brillanten Ideen und Formulierungen verabschieden und habe versucht, in unsere konkrete Situation hinein zu sprechen. Ob das gesegnet war, kann ich nicht beurteilen. Es war jedenfalls ehrlich. Und ich bin dankbar, dass ich das kann: Scheinbar gute Ideen loslassen und relativ spontan sein. Das ist mir weder angeboren noch anerzogen. Ich bin überzeugt, das ist Gottes verändernde Gnade. Ich vertraue wirklich darauf, dass Gott unsere Worte nimmt so wie Jesus damals die paar Brote und Fische. Und dass er dann mit diesen mickrigen Worten was machen kann. Dass er das Wunder vollbringt, dass jeder diese Worte so hört wie er sie braucht. Das heißt nicht, dass ich in der Vorbereitung schludern darf. Es heißt aber, dass ich meine Energie nicht in die Ausfeilung großartiger Formulierungen stecken muss. Für Gott reichen ein paar Brote und kleine Fische. Damit kann er Viele satt machen. Das ist ein Wunder, dass Prediger immer wieder erleben.

Eine Hochzeit und ein Todesfall

Der Tod meiner Gemeindeschwester belastet mich weiter. Das wird wohl noch lange so sein. "Wenn ein Glied leidet, leiden alle Glieder,leidet die ganze Gemeinde mit." Das ist so. Zumal Bärbel mittendrin war in unserer Gemeindefamilie. Ihre Mutter, ihre Schwiegermutter, ihre drei Kinder, die Familie ihrer Schwägerin - alle sind in unserer Gemeinde zu Hause. Wir leiden und zweifeln und hoffen. Heute vor einer Woche war die Trauerfeier von Bärbel. An die 500 Menschen waren dabei - und wir schwammen in einem Meer von Tränen. Am Samstag hatten wir dann eine Hochzeit in der Gemeinde. Hier konnten wir zeigen: Wenn ein Glied (oder zwei Glieder) sich freut, dann freut sich die Gemeinde mit. Diese Freude verdient ein Hochzeitspaar an seinem großen Tag! Wie eng liegt das zusammen: Tod und Leben, Schmerz und Freude, Ausgelöschtsein und Hoffnung auf Zukunft, Trauern und Feiern. Die negative Seite der Medaille des Menschseins kann uns alle jederzeit treffen. Wir sind extrem verletztlich - und Sicherheit gibt es nicht. Deshalb ist es so wichtig, das Leben zu feiern, wo sich das gerade anbietet. Wir können als Gemeinde dankbar sein, dass Gott uns in diese Herausforderung gestellt hat: Feiert das Leben, wo es sich zeigt - mitten im Schmerz.

Freitag, 24. August 2012

Das Leben läuft weiter

Manche Erlebnisse treffen zu tief, um sie in einem Blog zu besprechen. Unserer Gemeinde steht eine Trauerfeier bevor, die uns bestürzt. Eine liebe Schwester ist viel zu früh und sinnlos gestorben. Die Umstände ihres Todes sind so grausam, dass die Hamburger Printmedien ausgiebig darüber berichten - reißerisch die "Morgenpost" und ziemlich seriös recherchiert das Hamburger Abendblatt. Ich bin durch den Wind - und will darüber nichts weiter sagen. Ich erlebe gerade, dass mein Alltag trotzdem seinen Gang nimmt. Kann mich außerhalb dieser Tragödie sogar freuen. So wie heute Morgen zwischen 7.30 und 8.00. Da habe ich mit ZWEI Behörden telefoniert - und hatte beide Male ein positives Erlebnis. So was ist echt ungewöhnlich in unserem Land! Gestern Abend haben der Gatte und ich festgestellt, dass wir für unseren Urlaubsmietwagen internationale Führerscheine vorlegen müssen. Recherche im Internet ergab: Ich bekomme den in zehn Minuten. Ich habe nämlich einen Kartenführerschein. Wenn ich auch sonst technisch völlig altmodisch bin - kein IPod, kein IPad (hat der Gatte alles) - nun habe ich die Nase mal echt vorn! Mein Mann trägt tatsächlich immer noch den alten, grauen Lappen spazieren! Das ist zwar nostalgisch und niedlich - aber damit bekommt man keinen internationalen Führerschein. Ich also heute um 7.30 bei der Führerscheinstelle Pinneberg angerufen. Da saß eine sehr freundliche, aufgeschlossene Dame am Hörer. "Ihr Mann hat den Führerschein nicht im Kreis Pinneberg gemacht?", fragte sie. Natürlich nicht! Wir sind geborene Iserlohner! "Märkischer Kreis also", sagte sie. "Dann brauchen wir zur Bearbeitung eine Karteikartenabschrift aus Iserlohn. Moment - ich suche Ihnen die Telefonnummer dort raus." Das tat sie. "Und hier ist unsere Faxanschrift. Vielleicht geht alles schnell und diese Abschrift wird sofort gefaxt.Dann kann ihr Mann Montagmorgen vorbei kommen und wir kriegen seinen Kartenführerschein noch rechtzeitig." Um 8.00 war ich dann mit dem zuständigen Amt in Iserlohn verbunden. Die nette Dame dort konnte meinen Mann erst nicht finden, weil sie ihn im Geburtsjahr 1969 suchte. "Ja das wär' ja was, so einen jungen Mann zu haben", gestattete ich mir einen Moment lang das Träumen. "Aber sie finden ihn unter 1959". Hat sie dann auch gemacht und mir versprochen, dass das Fax in den nächsten zehn Minuten in Pinneberg vorliegt. Dieses Versprechen hat sie gehalten. Nun kann mein Gatte Montagmorgen ganz früh nach Pinneberg verreisen und alles wird gut. Ja genauso ist es. Wenn man nicht ganz persönlich, im engsten Kreis der Lieben, vom Tod getroffen wird, dann geht das eigene Leben ganz normal weiter. Ist das eine Stärke oder eine Schwäche?

Montag, 13. August 2012

Große geistliche Ideen und ernüchternde Praxis

Ich bin ja - so rein theoretisch - fest überzeugt, dass Menschen Pläne machen dürfen. Und dass sie - sofern sie bekennen Christen zu sein - diese Pläne jederzeit von Gott umschmeißen lassen können sollten. Soviel zur heeren Idee. In der Praxis stellte sich heute diese Herausforderung: Meine Predigt für den 2. September in meiner Gemeinde war in trockenen Tüchern. Dazu muss man wissen, dass ich zu einem Gemeindebund gehöre, in dem predigende Frauen nicht die Regel sind. In 2011 habe ich in meiner Ortsgemeinde - die kein Problem mit Laienpredigern hat - einmal predigen können. Für 2012 hat sich diese Zahl verdoppelt! Predigt Nummer Zwei für dieses Jahr steht also am 2. September an. Und da ich ja nicht wie ein Profi fast jeden Sonntag vor dieser Herausforderung stehe, hatte ich lange genug Zeit, um eine (in meinen Augen) prima Predigt auszuarbeiten. Also, ich dachte, ich hätte da was, mit dem ich bei der Gemeinde punkten könnte - eine überraschende Geschichte aus dem Alten Testament. Heute habe ich zugestimmt, dass wir genau an dem Sonntag einen ausgefallenen Abendmahlgottesdienst nachholen. Ich bin der Meinung, zum Abendmahl sollte auch die Predigt schon hinführen. Zu dieser Meinung passte meine geplante Predigt so gar nicht. Was nun? Etwas in mir - ich hoffe sehr, das war Gott - hat mich den ganzen Tag an eine von mir ungeliebte Geschichte aus dem Neuen Testament erinnert. Ich musste mich einfach damit auseinandersetzen. Nun ist die neue Predigt konzipiert. Ich bin längst nicht so glücklich damit wie mit der ersten. Und sehr gespannt, ob Gott damit was anfängt. An sich sollte er das tun. Wo er doch schon alle Pläne umgeschmissen hat. Bin sehr gespannt, ob Worte, die ich als erzwungene zweite Wahl empfinde, tatsächlich Menschen zum Segen werden können. Leicht ist es jedenfalls nicht, etwas, das man selbst für gut befindet, einfach los zulassen. Ich werde dann berichten, wie ich die "ernüchternde Praxis" erlebt habe.

Montag, 6. August 2012

Total verliebt in MeckPomm

Gerade sind der Gatte und ich von fünf Tagen ausspannen in einer völlig anderen Welt zurück. Sie beginnt gut zwei Stunden von Hamburg entfernt.
Das Wetter war so, dass wir meistens mit offenem Verdeck "cruisen" konnten. Wir promenierten im hübschen, quirligen Waren an der Müritz. Wir besuchten Deutschlands größte Feldscheune in Bollewick bei Röbel. Die kennen alle Frauenfrühstücksreferentinnen, die jemals, so wie ich, das Glück hatten, in Röbel beim FFF zu Gast zu sein. In den besonderen Handwerkerläden dort kann man individuelle Herrlichkeiten shoppen, die es sonst nirgendwo gibt.
Wir spazierten am beschaulichen Krakower See und auf einer Seeterrasse dort snackte ich zum ersten Mal Würzfleisch. Oberlecker!
Wir besuchten Gut Gremmelin und Schwerin. Aber am schönsten war es in unserem Übernachtungsort - Malchow am See:
Vier Übernachtungen im romantischen Altstadthotel direkt an der historischen Drehbrücke. Zimmer mit Blick auf den See, Frühstück mit Blick auf den See - kein Büffet, sondern liebevolle Bedienung am Tisch. Mit frisch zubereiteten Spiegel- oder Rühreiern. Obwohl sich der Autoverkehr tagsüber durch die schönste Strasse des Städtchens quält, ist der Ort sehr beschaulich. Was daran liegt, dass fast jedes Haus, dank der Insellage, ein langes Seegrundstück hat. Zwischen den Häuserzeilen gibt es freie Zugänge mit Bänken und kleinen Bootsanlegern. Unvergessen: Der Sonnenuntergang vom Festlandufer mit dem imponierenden Kloster. Oder die Mecklenburger Kohlroulade zu Schwarzbier im Biergarten (direkt am See, natürlich!) der Pension am See. Oder das Konzert mit Chris Norman auf NDR Sommertour. Der Mann musizierte fast zwei Stunden von 22.00 bis Mitternacht auf dem Malchower Festplatz. Der liegt wunderschön auf einer großen Lichtung im Wald. Der alte Herr hatte eine Superband dabei und sang und rockte vom Feinsten. Natürlich auch die alten Smokey-Hits aus den Siebzigern: If you think you knwo how to love me, Lay back in the arms of someone, Living next door to Alice... Diese Show war ein großer Spaß! Was haben wir für Geld ausgegeben für Night of the Proms in HH! Und wie peinlich war da so mancher gealterter Popstar in seiner Kurzatmigkeit. Chris Norman am Samstag war kostenlos. Aber DIESER alte Knabe hat es echt noch drauf! Die Tage in MeckPomm waren wie Wochen Urlaub irgendwo ganz weit weg. Wir haben viel erlebt und trotzdem die Seele baumeln lassen. Wenn es nach uns geht, machen wir das bald mal wieder!