Dienstag, 4. September 2012

Eine Hochzeit und ein Todesfall

Der Tod meiner Gemeindeschwester belastet mich weiter. Das wird wohl noch lange so sein. "Wenn ein Glied leidet, leiden alle Glieder,leidet die ganze Gemeinde mit." Das ist so. Zumal Bärbel mittendrin war in unserer Gemeindefamilie. Ihre Mutter, ihre Schwiegermutter, ihre drei Kinder, die Familie ihrer Schwägerin - alle sind in unserer Gemeinde zu Hause. Wir leiden und zweifeln und hoffen. Heute vor einer Woche war die Trauerfeier von Bärbel. An die 500 Menschen waren dabei - und wir schwammen in einem Meer von Tränen. Am Samstag hatten wir dann eine Hochzeit in der Gemeinde. Hier konnten wir zeigen: Wenn ein Glied (oder zwei Glieder) sich freut, dann freut sich die Gemeinde mit. Diese Freude verdient ein Hochzeitspaar an seinem großen Tag! Wie eng liegt das zusammen: Tod und Leben, Schmerz und Freude, Ausgelöschtsein und Hoffnung auf Zukunft, Trauern und Feiern. Die negative Seite der Medaille des Menschseins kann uns alle jederzeit treffen. Wir sind extrem verletztlich - und Sicherheit gibt es nicht. Deshalb ist es so wichtig, das Leben zu feiern, wo sich das gerade anbietet. Wir können als Gemeinde dankbar sein, dass Gott uns in diese Herausforderung gestellt hat: Feiert das Leben, wo es sich zeigt - mitten im Schmerz.

Freitag, 24. August 2012

Das Leben läuft weiter

Manche Erlebnisse treffen zu tief, um sie in einem Blog zu besprechen. Unserer Gemeinde steht eine Trauerfeier bevor, die uns bestürzt. Eine liebe Schwester ist viel zu früh und sinnlos gestorben. Die Umstände ihres Todes sind so grausam, dass die Hamburger Printmedien ausgiebig darüber berichten - reißerisch die "Morgenpost" und ziemlich seriös recherchiert das Hamburger Abendblatt. Ich bin durch den Wind - und will darüber nichts weiter sagen. Ich erlebe gerade, dass mein Alltag trotzdem seinen Gang nimmt. Kann mich außerhalb dieser Tragödie sogar freuen. So wie heute Morgen zwischen 7.30 und 8.00. Da habe ich mit ZWEI Behörden telefoniert - und hatte beide Male ein positives Erlebnis. So was ist echt ungewöhnlich in unserem Land! Gestern Abend haben der Gatte und ich festgestellt, dass wir für unseren Urlaubsmietwagen internationale Führerscheine vorlegen müssen. Recherche im Internet ergab: Ich bekomme den in zehn Minuten. Ich habe nämlich einen Kartenführerschein. Wenn ich auch sonst technisch völlig altmodisch bin - kein IPod, kein IPad (hat der Gatte alles) - nun habe ich die Nase mal echt vorn! Mein Mann trägt tatsächlich immer noch den alten, grauen Lappen spazieren! Das ist zwar nostalgisch und niedlich - aber damit bekommt man keinen internationalen Führerschein. Ich also heute um 7.30 bei der Führerscheinstelle Pinneberg angerufen. Da saß eine sehr freundliche, aufgeschlossene Dame am Hörer. "Ihr Mann hat den Führerschein nicht im Kreis Pinneberg gemacht?", fragte sie. Natürlich nicht! Wir sind geborene Iserlohner! "Märkischer Kreis also", sagte sie. "Dann brauchen wir zur Bearbeitung eine Karteikartenabschrift aus Iserlohn. Moment - ich suche Ihnen die Telefonnummer dort raus." Das tat sie. "Und hier ist unsere Faxanschrift. Vielleicht geht alles schnell und diese Abschrift wird sofort gefaxt.Dann kann ihr Mann Montagmorgen vorbei kommen und wir kriegen seinen Kartenführerschein noch rechtzeitig." Um 8.00 war ich dann mit dem zuständigen Amt in Iserlohn verbunden. Die nette Dame dort konnte meinen Mann erst nicht finden, weil sie ihn im Geburtsjahr 1969 suchte. "Ja das wär' ja was, so einen jungen Mann zu haben", gestattete ich mir einen Moment lang das Träumen. "Aber sie finden ihn unter 1959". Hat sie dann auch gemacht und mir versprochen, dass das Fax in den nächsten zehn Minuten in Pinneberg vorliegt. Dieses Versprechen hat sie gehalten. Nun kann mein Gatte Montagmorgen ganz früh nach Pinneberg verreisen und alles wird gut. Ja genauso ist es. Wenn man nicht ganz persönlich, im engsten Kreis der Lieben, vom Tod getroffen wird, dann geht das eigene Leben ganz normal weiter. Ist das eine Stärke oder eine Schwäche?

Montag, 13. August 2012

Große geistliche Ideen und ernüchternde Praxis

Ich bin ja - so rein theoretisch - fest überzeugt, dass Menschen Pläne machen dürfen. Und dass sie - sofern sie bekennen Christen zu sein - diese Pläne jederzeit von Gott umschmeißen lassen können sollten. Soviel zur heeren Idee. In der Praxis stellte sich heute diese Herausforderung: Meine Predigt für den 2. September in meiner Gemeinde war in trockenen Tüchern. Dazu muss man wissen, dass ich zu einem Gemeindebund gehöre, in dem predigende Frauen nicht die Regel sind. In 2011 habe ich in meiner Ortsgemeinde - die kein Problem mit Laienpredigern hat - einmal predigen können. Für 2012 hat sich diese Zahl verdoppelt! Predigt Nummer Zwei für dieses Jahr steht also am 2. September an. Und da ich ja nicht wie ein Profi fast jeden Sonntag vor dieser Herausforderung stehe, hatte ich lange genug Zeit, um eine (in meinen Augen) prima Predigt auszuarbeiten. Also, ich dachte, ich hätte da was, mit dem ich bei der Gemeinde punkten könnte - eine überraschende Geschichte aus dem Alten Testament. Heute habe ich zugestimmt, dass wir genau an dem Sonntag einen ausgefallenen Abendmahlgottesdienst nachholen. Ich bin der Meinung, zum Abendmahl sollte auch die Predigt schon hinführen. Zu dieser Meinung passte meine geplante Predigt so gar nicht. Was nun? Etwas in mir - ich hoffe sehr, das war Gott - hat mich den ganzen Tag an eine von mir ungeliebte Geschichte aus dem Neuen Testament erinnert. Ich musste mich einfach damit auseinandersetzen. Nun ist die neue Predigt konzipiert. Ich bin längst nicht so glücklich damit wie mit der ersten. Und sehr gespannt, ob Gott damit was anfängt. An sich sollte er das tun. Wo er doch schon alle Pläne umgeschmissen hat. Bin sehr gespannt, ob Worte, die ich als erzwungene zweite Wahl empfinde, tatsächlich Menschen zum Segen werden können. Leicht ist es jedenfalls nicht, etwas, das man selbst für gut befindet, einfach los zulassen. Ich werde dann berichten, wie ich die "ernüchternde Praxis" erlebt habe.

Montag, 6. August 2012

Total verliebt in MeckPomm

Gerade sind der Gatte und ich von fünf Tagen ausspannen in einer völlig anderen Welt zurück. Sie beginnt gut zwei Stunden von Hamburg entfernt.
Das Wetter war so, dass wir meistens mit offenem Verdeck "cruisen" konnten. Wir promenierten im hübschen, quirligen Waren an der Müritz. Wir besuchten Deutschlands größte Feldscheune in Bollewick bei Röbel. Die kennen alle Frauenfrühstücksreferentinnen, die jemals, so wie ich, das Glück hatten, in Röbel beim FFF zu Gast zu sein. In den besonderen Handwerkerläden dort kann man individuelle Herrlichkeiten shoppen, die es sonst nirgendwo gibt.
Wir spazierten am beschaulichen Krakower See und auf einer Seeterrasse dort snackte ich zum ersten Mal Würzfleisch. Oberlecker!
Wir besuchten Gut Gremmelin und Schwerin. Aber am schönsten war es in unserem Übernachtungsort - Malchow am See:
Vier Übernachtungen im romantischen Altstadthotel direkt an der historischen Drehbrücke. Zimmer mit Blick auf den See, Frühstück mit Blick auf den See - kein Büffet, sondern liebevolle Bedienung am Tisch. Mit frisch zubereiteten Spiegel- oder Rühreiern. Obwohl sich der Autoverkehr tagsüber durch die schönste Strasse des Städtchens quält, ist der Ort sehr beschaulich. Was daran liegt, dass fast jedes Haus, dank der Insellage, ein langes Seegrundstück hat. Zwischen den Häuserzeilen gibt es freie Zugänge mit Bänken und kleinen Bootsanlegern. Unvergessen: Der Sonnenuntergang vom Festlandufer mit dem imponierenden Kloster. Oder die Mecklenburger Kohlroulade zu Schwarzbier im Biergarten (direkt am See, natürlich!) der Pension am See. Oder das Konzert mit Chris Norman auf NDR Sommertour. Der Mann musizierte fast zwei Stunden von 22.00 bis Mitternacht auf dem Malchower Festplatz. Der liegt wunderschön auf einer großen Lichtung im Wald. Der alte Herr hatte eine Superband dabei und sang und rockte vom Feinsten. Natürlich auch die alten Smokey-Hits aus den Siebzigern: If you think you knwo how to love me, Lay back in the arms of someone, Living next door to Alice... Diese Show war ein großer Spaß! Was haben wir für Geld ausgegeben für Night of the Proms in HH! Und wie peinlich war da so mancher gealterter Popstar in seiner Kurzatmigkeit. Chris Norman am Samstag war kostenlos. Aber DIESER alte Knabe hat es echt noch drauf! Die Tage in MeckPomm waren wie Wochen Urlaub irgendwo ganz weit weg. Wir haben viel erlebt und trotzdem die Seele baumeln lassen. Wenn es nach uns geht, machen wir das bald mal wieder!

Montag, 23. Juli 2012

Zwiespalt

Morgen wird Lydie uns nach mehr als drei Monaten verlassen: Sie zieht dann zu der Familie, die sie ursprünglich eingeladen hat und für die wir nur eingesprungen sind.
Sie zieht mit der Gewissheit, dass die Gebühren für ihren DSH-Vorbereitungskurs in Fulda bezahlt sind - und die 100 Euro für ihre DSH-Prüfung, die sie unbedingt für einen Studienplatz in Deutschland braucht, auch.
Sie zieht mit einem bezahlten Bahnticket Hamburg - Fulda - Hamburg in der Tasche. Einem Ticket, das sie sich nie hätte leisten können, weil das Stipendiumsgeld aus Kamerun erst im Oktober fließen wird - wenn der Studienplatz sicher ist.
Wir vertrauen darauf, dass Gott alles für sie vorbereitet hat. Warum sonst ist sie ohne die Kohle, die sie braucht, "zufällig" bei uns gelandet? Keine Ahnung, was die Eltern sich dachten, als sie Lydie mit 700 Euro auf die Reise schickten. 500 Euro brauchte sie für den ersten Sprachkurs, der sie für die DSH-Vorbereitung legitimierte. Der Rest ging für monatliche Beiträge für Krankenversicherung drauf, die unser Staat fordert, wenn Ausländer in Deutschland studieren wollen. Und natürlich für die Gebühren, die anfallen, wenn Ausländer ihre Visa verlängern lassen wollen.
Damit Lydie ihr Studium wie geplant im Oktober aufnehmen kann, muss sie den bestandenen DSH-Test vorweisen. Rechtzeitig für ihre Pläne gibt es nur einen am 31. August in Fulda - und auch einen Vorbereitungskurs dort für 140 Euro ab Mitte August.
Wie dankbar bin ich Gott für Zugang ins inoffizielle FeG-Netzwerk! Nachdem ich den Pastor der FeG Fulda um Hilfe gebeten hatte, fand sich sofort eine Familie in seiner Gemeinde, die bereit ist, Lydie für drei Wochen in Fulda aufzunehmen. Halleluja!
Immer noch muss Lydie viel Eigenleistung bringen, um tatsächlich ab Herbst in Deutschland zu studieren.
Aber Gott ebnet ihr offensichtlich Wege.
Wege, die ihre Eltern ihr nicht ebnen konnten. Die schickten sie nach Deutschland ohne das nötige Geld, das sie braucht.
Der Zwiespalt, der sich in Geldfragen fast immer auftut: Ist es richtig, dass wir für Lydie einspringen? Oder rechnen Leute aus der dritten Welt einfach mit der Großzügigkeit in reichen Nationen?
Die Vorstellung, Teil eines Kalküls zu sein, gefällt mir natürlich überhaupt nicht. Macht mich sauer.
Andererseits: Wir haben zur Zeit die Möglichkeit, Ärmeren finanziell auszuhelfen. Ist es dann nicht egal, falls Jemand das ausnutzen will? Sollten wir nicht einfach dankbar dafür sein, dass wir nicht betteln müssen? Und was ist mit dieser Ansage Jesus, dass wir auch die andere Wange hin halten sollten? Könnte das auch bedeuten: Gib ab, selbst wenn dich Jemand ausnutzen will?
Für Tipps bin ich - wie immer - sehr dankbar!

Samstag, 14. Juli 2012

Ich mag meinen "Freiberuf"...

...oder wie immer man das nennen soll, wenn Jemand ab und an irgendwo für Vorträge eingeladen wird.
So wie gestern hier:
http://www.christen-im-beruf.de/chapter/bremervoerde.html

Das war echt ein cooler Tag! Vormittags gegen 11.00 bin ich noch locker durch den Elbtunnel gerauscht. Eine halbe Stunde später war ab Quickborn schon wieder 14 Km Stau.
Dann bin ich gemütlich durchs Alte Land gezockelt, habe bei einem Bauern zwei Kilo Kirschen erworben und mir dann zwei Stunden Stade angeguckt.
Danach gab es bei dem Arztehepaar, das mich eingeladen hatte, lecker Kuchen und Kaffee, ich konnte eine Stunde "ruhen", mich umziehen - und dann gab es diesen netten Abend in der gemütlichen Location am See.

Bei "Christen im Beruf" sind viele unserer charismatischen Geschwister in der Mitarbeit tätig. Und ich bin angenehm überrascht, dass auch sie meine eher nüchterne, manchmal selbstironische Art des Vortrags schätzen. Das ist mir nicht zum ersten Mal aufgefallen, ich war auch schon in Pfingstgemeinden zum Frauenfrühstück. Es ist ein schöner Gedanke, dass ich vielleicht mit dazu beitragen kann, dass charismatische und traditionelle Freikirchen - und auch Kirchen, natürlich - mehr zusammen wachsen und an einem Strang ziehen.
Gestern war das wieder ganz großartig zu erleben: Ich komme dahin, kenne keine Socke, bin noch nicht mal in meinem vertrauten Gemeinde-Form-Umfeld - aber ich bin dort gleich mittendrin und überhaupt nicht fremd, weil wir alle zu Gottes Familie gehören. Das ist was Besonderes, sich gleich zu verstehen und zu kennen, obwohl man sich eigentlich gar nicht kennt...
Ist echt schön so ein Reisedienst im Auftrag Gottes!

Sonntag, 8. Juli 2012

Oude Kerk, Rembrandthuis, Hofjes, Frittjes...

...und platte Fussjes. Wir waren am Wochenende zum ersten Mal in Amsterdam. Da sie von Biedenkopf und Quickborn ungefähr gleich weit entfernt ist, war die Stadt ein guter Ort, um liebe Freunde aus Hessen zu treffen. Die waren auch noch nie dagewesen und bei herrlichstem Sommerwetter haben wir die Innenstadt gemeinsam erkundet.
Das Wetter war zu schön für Museumsbesuche. Und Rembrandtoriginale hatten der Gatte und ich schon mal in St. Petersburg bewundern dürfen. Also haben wir das ganze Wochenende outdoor verbracht. Das hat viel Spaß gemacht, weil Amsterdam so eine quirlige, volle Multi-Kulti-Stadt ist. Man kann stundenlang irgendwo sitzen, essen und trinken und Leute gucken.
Ein Ärgernis sind die vielen rücksichtslosen Fahrradfahrer. Man muss echt aufpassen, dass man nicht unter deren Räder kommt. Und auf manchen Straßen hat man ständig eine nervig bimmelnde Straßenbahn plötzlich im Nacken. Dafür sind die Wege entlang der meisten Grachten recht geruhsam und auf jeden Fall was fürs Auge.
So schön das ja ist nach Norderney zu kommen, wo ich immer gleich zu Hause bin und fast jeden Stein kenne - es immer wieder anregend, Neuland für sich selbst zu entdecken und zu erschließen. In Amsterdam würde ich mit diesen Entdeckungen gerne irgendwann mal weiter machen.