Montag, 24. Februar 2014

Hinterm Horizont...

...ich traue mich mal was zu probieren, was ich noch nie gemacht habe! Das ist aufregend - und trotz Angst ein gutes Gefühl!
Am Wochenende bin ich auf einer Tagung. Dort gibt es für die Teilnehmer die Möglichkeit, sich an einem "Pecha Kucha"- Abend zu beteiligen. "Pecha Kucha" ist eine interessante Möglichkeit, einen Vortrag zu halten. Der hangelt sich entlang an 20 Bildern, die für 20 Sekunden stehen bleiben, bevor es weiter geht. So ein Vortrag dauert also 6 Minuten und 20 Sekunden. Es ist klar, dass man sich für diese Form kurz fassen können muss!
Ich glaube, dass ich das kann. Und hoffe, dass mein Text auch ohne die passenden Bilder eine gute Geschichte erzählt. Hier der Text:

EINS:
HINTERM HORIZONT
startet mit einer Kindheitserinnerung:
Paketberge
Die wurden von Mama gepackt.
Sie gingen in ein völlig fremdes Land.
Das lag zwar „um die Ecke“.
Aber dort gab es keine Bananen.
Die Pakete gingen in meiner Heimatstadt auf die Reise.

ZWEI:
Iserlohn liegt im Sauerland mit besonders engen Tälern.
Ähnlich eng ist es dort in manchen Köpfen.
Mein Horizont war besonders eng, denn ich bin in einer strengen Brüdergemeinde aufgewachsen.
„Kunst“ kam dort irgendwie nicht vor.

DREI:
Die Pakete gingen nach Sachsen.
In der „Ostzone“ lebten gute Freunde meiner Eltern.
Die guckten heimlich Westfernsehen. Auch das hat ihren Horizont geweitet.
Vor der Wende war ihre Heimatstadt grau und trist.
Das Bunteste war die Bierwerbung.

VIER:
Manchmal fuhren Papa und ich „Transit“ durch die DDR.
Dann trafen wir uns mit Familie Pfeiffer in Ostberlin.
Auf DDR-Gebiet hatte ich immer Angst:
„Was ist, wenn die grimmigen Soldaten mich hier nicht wieder raus lassen?“
Die Vorstellung, in diesem „Gefängnisland“ bleiben zu müssen, hat mich sehr bedrückt.

FÜNF:
Bedrückend fand ich auch Ostberlin.
Was für ein Gegensatz zu dem Weltstadtflair auf dem Kudamm!
Der hat mich als Iserlohner Landpomeranze natürlich beeindruckt!
Aber Ostberlin war schlimmer als Iserlohn.
Groß, kalt, leer – und traurig.

SECHS:
Am traurigsten: Das Brandenburger Tor.
Dieses Bauwerk mit fünf breiten Durchfahrten sollte eine Verbindung sein.
Gedacht für ein Hin und Her, ein Symbol für Begegnung.
Vor der Wende war es bloß unerreichbar für uns.
Niemandsland, Todeszone.

SIEBEN:
Zehnte Klasse, Gymnasium: Klassenfahrt nach Berlin.
Wir hatten viel Spaß in der „Westzone“.
Aber natürlich mussten wir auch einen Tag „rüber“.
Das war für mich das erste Mal ein Grenzgang als Fußgänger.
Über S-Bahnhof Friedrichstrasse. GRUSELIG!

ACHT:
Papa und ich sind auch mal direkt bei Familie Pfeiffer gewesen.
Die Kreisstadt Karl-Marx-Stadt, die uns stolz präsentiert wurde,
hat mich so gar nicht vom Hocker gerissen.
Auch nicht der monumentale Kopf von Marx.
Fröhlich macht was anderes!

NEUN
Nun war meine Heimatstadt ja auch nicht das Gelbe vom Ei.
Aber wir hatten auf jeden Fall das bessere Bier! Und die buntere Werbung.
Und: Wir konnten Iserlohn jederzeit verlassen.
Sogar die ganze Welt bereisen, wenn wir wollten!

ZEHN
Warum ich trotz Beklemmung immer wieder mit bin in die DDR?
Ehepaar Pfeiffer hatte Kinder in meinem Alter.
Die waren witzig und liebenswert. Wenn wir zusammen waren und klönten, war das Gefängnis vergessen.
Oft habe ich davon geträumt, dass es die Mauer nicht mehr gibt.
Dass diese liebenswerte Familie auch einfach mal uns besuchen kann.

ELF:
Mit mir träumte einer, den ich damals gar nicht auf dem Schirm hatte.
Udo.
Bei meinem engen, frommen Horizont kam ein „Rockrebell“ mit einem „Panikorchester“ natürlich nicht vor.
Auch nicht Texte wie:
„Und Lola hat Geburtstag – und man trinkt darauf, dass sie wirklich mal so alt wird, wie sie jetzt schon aussieht.“

ZWÖLF:
„Und überhaupt ist heute wieder alles klar, auf der Andrea Doria“.
Udos „Likörelle“ muss man nicht schön finden.
Aber irgendwann Anfang der 80er fand sogar mein Papa Udo gut!
Immer mal wieder kicherte Väterchen vergnügt vor sich hin:
„Hallo Erich, kannst mich hörn? Hallololöchen-Hallo!“

DREIZEHN:
Und dann hat der Udo dem Honecker in Wuppertal eine Gitarre geschenkt.
Dazu prägte Udo den Spruch: Gitarren statt Knarren.
Später durfte Udo dann tatsächlich im Friedrichspalast auftreten. Allerdings nicht mit:
„Honi – du schließt dich ein auffem Klo und hörst West-Radio!“

VIERZEHN
Udos Bemühungen fanden später Anerkennung im vereinten Deutschland.
Nicht nur, dass es eine Udo-Briefmarkenedition gab -
mit dem Sonderzug nach Pankow.
1989  bekam Udo das Bundesverdienstkreuz.

FÜNFZEHN
So freundlich sieht es heute aus um diesen früher so ätzenden Grenzbahnhof Friedrichstrasse.
Für mich ist es auch nach 25 Jahren Mauerfall immer noch ein Wunder,
durch dieses „neue“, einladende Ostberlin zu spazieren.

SECHZEHN
Immer, wenn ich in Berlin bin, bummel ich ausgiebig  „Unter den Linden“ lang.
Dann stehe ich eine Weile andächtig unterm Brandenburger Tor.
Und feiere das Leben.
Udo feiert auch gerne.

 SIEBZEHN
Sein Lebensstil war nicht immer vorbildlich.
Dazu sein Freund Erwin Hilbert, der später Christ wurde:
„Irgendwann fragte Udo mich mal: Wie findet Gott eigentlich unseren Lebensstil?
- Nicht gut! -
Wir trösteten uns mit der Feststellung, dass Salomo ja auch 1000 Frauen gehabt hat.“        

ACHTZEHN
Udo setzt sich auch für Schwache ein.
Nicht nur für UNICEF, Afrika oder gegen Rechts.
Auch privat.
Nochmal sein Freund Erwin:
„Der Tag kam und ich sagte Udo, dass ich ihn beklaut hatte.
Er verzieh mir und rechnet mir bis heute nichts an.
Hier können Christen etwas von ihm lernen.“

NEUNZEHN
2008 haben mein Mann und ich Udo für uns neu entdeckt.
Wir haben „Stark wie Zwei“ auf längeren Autofahrten rauf und runter gehört.
Wir mögen die Mucke und die Texte.
Die Denkanstöße, den Witz, die Selbstironie.

ZWANZIG
Letztes Jahr saßen der Gatte und ich dann im Udo-Musical.
Ich schäme mich nicht zuzugeben: Das war Spitze!
Ein unterhaltsamer Einblick in die deutsch-deutsche Geschichte.
Bad Taste? So what!
Ich schließe mich von Herzen dem Gebet von Erwin an:
„Bitte, Gott, kümmer dich um dein schwarzes Schäfchen mit dem Hut!  AMEN!“

   


Samstag, 1. Februar 2014

Was für ein Luxus: Zeit haben

Vorgestern gegen 14.00: Ich hatte beschlossen, noch schnell in den Blumenladen zu flitzen. Zehn Tulpen wollte ich haben, um den Esstisch fürs Wochenende zu verschönern.
Der Laden war leer. Vor mir nur ein junger Mann in oranger Gummi-Arbeitshose, mit olivgrünem Parker und schwarzer Schlumpf-Wollmütze. "Das geht fix", dachte ich. Dann fiel mein Blick auf den Arbeitstisch und die Floristin. Der Tisch quoll über von Grün und Schleierkraut, die junge Dame war gerade damit beschäftigt, überflüssige Blätter von Blumen abzustreifen. Auf dem Tisch türmten sich bald sieben langstielige rosa Rosen, genauso viele pinke Rosen, pinke Gerbera und zwei Sorten lila Blumen, deren Namen ich nicht kenne.
Ich begann zu ahnen, dass es wohl doch noch ein Weilchen dauern würde, bis ich meine nackten Tulpen erwerben konnte.
Und das total Geniale: Es war mir egal! Ich war morgens schon beim Sport gewesen, hatte mit Mutter ihren Wocheneinkauf erledigt, hatte ausgiebig mit ihr zu Mittag gegessen. Ich hatte noch einen Schreibauftrag zu erledigen - aber da kam es auf ne halbe Stunde nicht an. Ich hatte an diesem Tag keinen Druck mehr im Nacken und konnte - warten.
Die Dame, die nach mir in den Laden kam, konnte das nicht. Nach fünf Minuten hat sie das Geschäft entnervt verlassen. Ich dagegen hatte die Muße, mir anzugucken, wie die Blumenkünstlerin aus dem ganzen Wirrwarr für den jungen Mann einen Strauß gebunden hat. Zum Schluss hatte sie ein irre dickes Bündel aus Stielen in der Hand. Ich habe die Kunst bewundert, mit der sie es festgehalten, am Ende zusammen gebunden und dann auf die gewünschte Länge beschnitten hat. Mir wäre dieses Bündel aus der Hand gefallen.  
Und dieser Strauß in rosa-pink-lila sah am Ende so schön aus! Der junge Mann hat dann genau 50 Euro dafür hin blättern müssen. Das hatte er offensichtlich so geplant, denn er strahlte begeistert, als er mit dem fetten Strauß aus dem Laden ging. Was mich dann wieder dazu brachte, mir Geschichten auszudenken. Für wen mag dieser wunderschöne Blumenstrauß wohl bestimmt gewesen sein?
Den ganzen Rest des Tages bin ich "geschwebt". Was für ein Geschenk, mitten im Alltag mal sagen zu können: Es kommt nicht auf zehn Minuten an. Und in Ruhe zu bewundern, wie gut andere Menschen ihre Arbeit machen. Ich habe die Floristin dann auch noch sehr für ihr Werk gelobt. Und habe nun im meiner Stadt eine neue wohlwollende Bekannte. :-)
 

Mittwoch, 22. Januar 2014

Buchempfehlung Thema "Gebet"

„Nur wer kniet, kann aufrecht stehen“ (Christoph Schrodt, SCM R. Brockhaus)

Der Titel ist nicht gut für dieses wirklich gute Buch. Er klingt nach einer Technik – und gerade darum geht es Christoph Schrodt NICHT. Der Untertitel trifft das Anliegen des Autors viel besser: „Beten mit neuer Perspektive“. Mit Herz und Leidenschaft ermutigt er zu Gebeten, die Kommunikation zwischen Liebenden sind, zwischen Gott und Mensch. „Das Gebet bringt uns in erster Linie Gott…Es geht um ihn. Um die Gemeinschaft mit ihm. Die Gaben kommen dann, wenn Gott es für richtig hält…Beten in der Kraft des Heiligen Geistes macht das Beten nicht effektiver. Es ist kein Optimierungstrick für ergebnishungrige Beter. Der Heilige Geist wirkt in uns, dass wir Gott Gott sein lassen und ihn tiefer lieben können.“
Christoph Schrodt ist ein guter Lehrer. Seinen biblisch belegten Gedanken kann man gut folgen. Zudem hat er die besondere Gabe, geistliche Wahrheiten mit leicht verständlichen und nachvollziehbaren Alltagsbeispielen zu illustrieren. Das macht dieses Buch lebendig. Pastor Schrodt scheut sich auch nicht, Persönliches zum Thema beizutragen. Das macht das Buch echt. Und so mancher Denkanstoß ist  überraschend bis herausfordernd. Der Abschnitt „Wenn freie Gebete unfrei machen“ gehört sicher dazu. Oder Überlegungen wie diese: „Wir deklarieren etwas zu Gebetserhörungen, was bei kritischer Nachfrage nicht diese Bezeichnung verdient hätte. Wir übertreiben und beschönigen Fakten. Und wir machen aus Nebensächlichkeiten großartig aufgemotzte Hauptsachen.“ Ich fand auch das Kapitel  „1x1 des Sprachengebetes“ sehr spannend.
Was ich noch besonders schön finde: Der Autor lässt die Leser nicht mit der Theorie ratlos im Regen stehen. Am Ende eines jeden Kapitels gibt es verschiedene praktische Vorschläge, die man ausprobieren kann. Man muss die nicht „abarbeiten“, sondern kann sich von denen inspirieren lassen, die zu einem selbst passen.
Fazit: Eines der besten Bücher, das ich zum Thema „Gebet“ gelesen habe.  


Dienstag, 7. Januar 2014

Mein Jahr 2014 fing gut an



Das liest sich nett - auch, wenn es nur das örtliche Käseblatt ist. Der Gottesdienst in der Quickborner Baptistengemeinde war sehr schön! Es ist eine kleine Gemeinde - aber die machen da echt gute Mucke! Und dieses Familiäre gefällt mir auch. Als Gastpredigerin muss man nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen und Spontanität ist normal. Ich habe mich in der Christuskirche gleich zu Hause gefühlt und die Atmosphäre sehr genossen. Ich habe nix dagegen, mal wieder dort dabei zu sein.    

Sonntag, 22. Dezember 2013

Maria im Advent

Maria, zwei Tage vor Heilig Abend. Noch ist sie hochschwanger mit ihrem Josef unterwegs. Die Beiden wissen: Zwei Tage brauchen wir noch bis Bethlehem. Sie haben gerade ihr Nachtlager auf freiem Feld aufgeschlagen. Josef ist mit dem Esel unterwegs, um frische Ziegenmilch zu besorgen.

Maria:
(Steht vom Boden auf, hält sich stöhnend ihren Bauch, spricht zu ihm: ) Ach Kindchen! Warum tust du mir so weh? Ich meine, du bist Gottes Sohn! Kannst du da nicht sanfter mit deiner Mutter umgehen? Oh Jesus! Hör auf, mich zu quälen! (zu sich: ) Jesus! Nicht mal den Namen für mein Kind durfte ich selbst aussuchen! Ich mag Daniel – oder Andreas. Aber Jesus? Der Engel hat einfach gesagt, dass es so ist: „Du sollst den Sohn Gottes, der in dir heranwächst,  Jesus nennen.“ Noch nicht mal da hat der Höchste mich nach meiner Meinung gefragt! – Aua! Hör auf, mich zu treten! – Ja gut. Warum sollte der Höchste mich in Kleinigkeiten fragen, wenn er das Große Ganze sowieso bestimmt hat. „Du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären“, hat der Engel zu mir gesagt. Einfach so.
Pfff! Von wegen „einfach so!“ Ja, ich weiß. Ich habe damals gesagt: „Ich gehöre dem Herrn. Es soll an mir geschehen wie du gesagt hast.“ – Was hätte ich sonst sagen sollen? Da kam ein Engel zu mir! Natürlich habe ich mich geehrt gefühlt. Aber ich hatte damals keine Ahnung, was diese Ehre für mich bedeutet. Ich war ein kleines Mädchen, das keine Ahnung vom Leben hat! – (kichert) Ok, das ist erst neun Monate her. Eigentlich bin ich immer noch 15 und immer noch ein kleines Mädchen. (Hält sich den Bauch, stöhnt) Aber meine heile Welt gibt es nicht mehr.
Das war so ätzend, als mich alle in Nazareth für eine Hure gehalten haben. „Sie ist schwanger und nicht verheiratet! Man sollte sie steinigen!“ – Ich habe richtig Angst gehabt, dass sie das wirklich tun. Noch nicht mal Mutter und Vater haben mir meine Geschichte geglaubt! – Au! Was zieht denn da so in mir drin! Ach Jesus, Kind, ich liebe dich! Aber kannst du es mir nicht leichter machen? Warum muss ich dieselben Schmerzen haben wie alle anderen Frauen auch? – Und Josef hat mir erst auch nicht geglaubt. Er wollte sich von mir trennen. Hatte gedacht, ich hätte ihn betrogen. Das war das Schlimmste! Meinen geliebten Josef so traurig und verzweifelt zu sehen. – Dann hat der Höchste eingegriffen. Er hat seinen Engel auch zu Josef geschickt – im Traum. Da wusste mein Geliebter, dass ich nicht gelogen habe. Großer Gott –dafür danke ich dir von Herzen! –
Aber warum lässt du mich jetzt allein? Wo ist dein Engel, wenn man ihn mal ganz praktisch braucht? Ich friere so. Ich habe Schmerzen. Und ich habe Angst. Warum kommt Josef nicht zurück? Bitte, beschütze ihn und bring ihn heil wieder zu mir! Er ist so lieb zu mir! „Ich habe Lust auf frische Ziegenmilch“, hatte ich vorhin gesagt. „Die besorge ich dir, Liebste“, hat er geantwortet. Und dann ist er los mit dem Esel. „Es gibt Hirten hier in der Gegend. Und ich werde sie für dich finden“, mit diesen Worten ist er los gezogen. Warum nur habe ich die gleichen plötzlichen Gelüste wie alle anderen Schwangeren auch? Gott, hättest du mich nicht besonders machen können? Wo ich schon so eine besondere Last zu tragen habe? –
Oh Jesus! Ich glaube, du willst ganz bald zur Welt kommen! Bitte nicht hier auf dem freien Feld! Bitte lass dir Zeit, bis wir in Bethlehem sind! Dort werde ich sicher eine Herberge finden – und eine Hebamme!
Obwohl – so viele Leute haben uns unterwegs überholt! Sie waren viel schneller als wir unterwegs. Was ist, wenn alle Herbergen voll sind? – Süßer Jesus! Ich habe Angst, dass ich dich auf freiem Feld zur Welt bringen muss. Und ganz allein. Josef ist lieb und gut – aber er ist keine Hebamme. – Ach Gott, wo ist ein Engel, wenn man ihn mal ganz praktisch braucht? (Sie legt sich verzweifelt wieder auf den Boden.) 
  


Freitag, 29. November 2013

Theater im Gottesdienst...

...kann ein guter Aufhänger für die Predigt sein. Die folgende Szene aus meiner Feder hatte letzten Sonntag im Gottesdienst Premiere. Thema: "UN(D) - SICHER?" Unser Pastor konnte gut einhaken zum Beginn seiner Predigt. Die jungen Leute auf dem Schiff waren ganz sicher, dass sie eine Zukunft vor sich hatten. Und das ältere Ehepaar war sicher, dass es sein Ziel erreicht. Die Szene - ein Gleichnis für unser Leben?
Bühnenbild, Kostüme und Schauspieler waren jedenfalls genial! Da hatte ich als Texterin keine Aktien drin - und habe mich gefreut, was Tolles draus geworden ist!

   

Das Bühnenbild skizziert zwei Schiffsdecks übereinander. Unten für die 3. Klasse-Passagiere, drüber das für die 1. Klasse. Oben „lustwandelt“ ein reiches Paar und beobachtet zunächst, was „unten“ passiert.

Nelly und Tom stürmen mit einer Reisetasche aufs Zwischendeck. Nelly stellt sich sofort an die Reling und guckt auf den Hafen.

Nelly: Wir sind wirklich mit dem allerletzten Tender aufs Schiff gekommen! Gleich
legen wir ab!

Tom:   Wollen wir uns nicht erst mal zwei Kojen im Schlafsaal belegen?

Nelly:   Ach, Bruderherz! Die besten Plätze sind doch sowieso weg! Wir waren die Letzten! Lass uns lieber noch einen Blick auf Irland werfen. Vielleicht sehen wir unsere grüne Insel nie wieder!

Tom:   Ok, Nelly. Du hast Recht. Ob Vater und Mutter uns sehen können?

Nelly:   Quatsch! Kannst DU sie vielleicht sehen in der großen Menge dahinten im Hafen? Die Reede liegt zu weit von Queenstown weg!

Tom:   Ob wir sie je wiedersehen?

Nelly:   Natürlich werden wir das! Du und ich – wir werden in Amerika so viel Geld machen, dass wir ihnen bald die Schiffspassage bezahlen können.

Tom:   Ja! In Amerika kann es jeder zu was bringen!  Dort gibt es kein Heer von Arbeitslosen wie bei uns, das von der Hand in den Mund leben muss.

Nelly:   Und wie stolz und glücklich wird Vater sein, wenn er endlich die Freiheitsstatur sieht! Wie oft hat er uns erzählt, dass er vor Rührung geweint hat, als sie eingeweiht wurde.

Tom:   Das war 1886, oder? (Nelly nickt)Da war er zehn – halb so alt wie ich…

Nelly:   Und jetzt ist er schon 36. Ein uralter Mann…(sieht einen jungen Mann auf sich zu schlendern, ist entsetzt: ) Och nee, Tom! DER ist nicht wirklich auch auf unserem Schiff! (Patrick kommt dazu,)

Tom:   Na toll! Paddy, der Möchtegern-Don-Juan!         

Pat:     (verbeugt sich ironisch vor Nelly) Sieh an! Das schönste Mädchen unserer irischen Provinz kann nicht an sich halten und verfolgt mich nach Amerika.    

Nelly:   Gesegnet seien die, die nichts zu sagen haben und die Klappe halten!

Tom:   (zu Nelly) Der denkt wirklich, alle Mädchen in Queenstown sind in ihn verliebt! Und du auch!

Pat:     Natürlich ist sie das!

Tom:   So was Dummes muss ich mir nicht anhören! Ich belege uns schon mal zwei Kojen! (geht ab)

Pat:     (zu Nelly: ) Ich habe mir ne ganz passable Koje geangelt. Direkt an der Tür – mit viel frischer Luft. Du bist herzlich eingeladen, sie mit mir zu teilen…Versuchungen sollte man nachgeben, Schätzchen! Wer weiß, ob sie wieder kommen!

Nelly: Bravo! Du lebst echt nach dem Motto: Besser dumm wie alle als klug wie keiner. – Du bist nun wirklich keine Versuchung für mich. Ich angele mir in New York einen Millionär! Zum Heiraten!

Pat lacht sich kaputt.

Pat:     Nelly, wenn du drei Jahre wartest, dann bin ICH Millionär. Ich werde Filmstar! 

Nelly:   Filmstar? Meine Güte, Patrick Green, du bist so eingebildet, du verbeugst dich sogar, wenn der Regen an die Fenster klatscht! – Aber abgemacht! Treffen wir uns in drei Jahren an der Freiheitsstatur. Wenn du dann Millionär bist, werde ich dich heiraten. Es sei denn, ich habe meinen Traummann schon vorher gefunden.

Pat:     Und wenn die Amerikaner denken, du  gehörst zur letzten Art von Frauen?

Nelly:   Du dummer Tropf meinst, du kennst dich mit Frauen aus? Wie viel Arten soll es denn geben?

Pat:     Genau drei: Schöne Frauen, intelligente Frauen – und die Mehrheit.

Nelly:   Du bist wirklich eine Zumutung! Ich gehe jetzt Tom suchen! (Rauscht ab)

Pat:     (ruft ihr hinterher) Und vergiss nicht: Am 11. April 1915 haben wir ein Date an der Freiheitsstatur!  (zu sich) Mal gucken, was für Sahneschnitten sonst noch an Bord sind! Alleine in der Koje – das ist ja öde! (Geht ab)


Jetzt unterhält sich das Paar auf dem Oberdeck. Während der vorhergehenden
Szene hat man schon gemerkt, dass der Mann das Ganze amüsiert beobachtet hat,
während die Frau eher angewidert war.

Er:       Diese jungen Auswanderer sind entzückend lebendig! So voller Hoffnung und Träume! Und Witz haben sie auch.

Sie:     Entzückend? Witzig? Meine Güte! Die kommen aus der untersten Schublade! Kaum zu glauben, dass wir das Schiff mit ihnen teilen müssen!

Er:       Teilen ist etwas übertrieben, meine Liebe! Die Passagiere 3. Klasse haben keinen Zugang zu unseren Decks.

Sie:     Na, das wäre ja auch noch schöner! – Aber sag mal: Wie kommen die denn im Ernstfall zu den Rettungsbooten? Die gibt es doch nur hier oben.

Er:       Im Ernstfall werden die Sicherheitstüren zwischen den Klassen natürlich geöffnet. Aber bis die Leute von unten hier oben angekommen sind, wären vermutlich sowieso alle Rettungsboote belegt. Es gibt nicht genug Plätze für alle Passagiere.

Sie:     WAS! Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich mich nie von dir überreden lassen, diese Jungfernfahrt mitzumachen!

Er:       Du musst dir nun wirklich keine Sorgen machen, meine Liebe! Dieses Schiff ist unsinkbar. – Was hältst du von einem Schönheitsschläfchen? Damit wir für den Ball heute Abend frisch sind?

Sie:     Eine gute Idee mein Lieber! (Während sie abgehen: ) Und dieses Schiff ist wirklich unsinkbar?

Er:       Ganz sicher! Wir sind auf der Titanic!

                                                           ENDE



Samstag, 16. November 2013

Mein erster Vortrag mit Simultanübersetzung

Das fand ich heute beim Frauenfrühstück sehr spannend! Ein ganzer Achtertisch war mit gehörlosen Frauen besetzt und der gesamte Vormittag wurde in Gebärdensprache übersetzt. Im Anschluss kam eine dieser Frauen mit der Dolmetscherin auf mich zu und wir haben uns eine ganze Weile unterhalten. Während mein Gegenüber mit ihren Händen redete, hörte ich neben mir die Worte dazu. Ich habe auch Fragen gestellt und alles lief fast so flott wie eine "normale" Unterhaltung. Von meiner Gesprächspartnerin möchte ich gerne mehr "hören". Deshalb haben wir unsere Mailadressen ausgetauscht.
Ich war erschüttert, als ich erfuhr, dass gehörlose Kinder früher nicht mit den Händen reden durften. Sie wurden gezwungen, Laute zu bilden. Und von allem, was um sie rum gesprochen wurde, bekamen sie nichts mit. Was für eine Einsamkeit!
Erst in den letzten Jahren ist es besser geworden. Aber immer noch haben gehörlose Menschen viele Probleme. Es gibt zu wenig Gebärdendolmetscher - und die Frage ist auch immer: Wer bezahlt sie? Als Begleitung für Arztbesuche zum Beispiel. Oder als Übersetzer an Schulen und Universitäten. "Blinde sind von den Dingen getrennt", sagte meine Gesprächspartnerin. "Gehörlose sind von den Menschen getrennt."
Das leuchtete mir sofort ein. Wie soll ohne die Möglichkeit zur Kommunikation Beziehung entstehen? Ich bin sehr gespannt darauf, was ich per Email noch alles über die Welt der Gehörlosen lernen kann. Und ob das Schreiben dabei hilft, Brücken zu bauen.