Mittwoch, 6. August 2014

Autoren-Portrait

„ICH MÖCHTE NICHT PROVOZIEREN, SONDERN BRÜCKEN BAUEN“…

…sagt Rainer Buck. Der Schriftsteller aus Marbach hat schon einige Romane und Biografien veröffentlicht. Für seinen neuesten Roman, der im September 2014 erscheint, hat er sich einen christlichen Verlag gewünscht, aber keinen gefunden. Nun hat der Turmhut Verlag „Tims Arche“ gerne in sein Programm aufgenommen.
Die Geschichte wird von Susann erzählt. Die gläubige junge Frau unterstützt Pastor Tim Friese bei seiner missionarischen Arbeit im Vorort einer Großstadt. Die beiden wären ein nettes Liebespaar, aber der Funke springt einfach nicht über. Stattdessen fühlt Susann sich mehr und mehr zu Nora hingezogen. Nora ist auch eine gläubige junge Frau. Sie wurde wegen einer lesbischen Beziehung von jeder Mitarbeit in ihrer Freikirche entbunden. Daran leidet sie – und nach ihrem eigenen „Coming out“ leidet auch Susann. Vor allem, weil sie die Freundschaft mit ihrem Mentor „Opa Sternau“, einem konservativen Christen in Gefahr sieht.
„Ich möchte mit dieser Geschichte einen Beitrag für ein offenes, ehrliches und lockeres Gespräch unter Christen zum Thema „Homosexualität und Kirche“ leisten“, sagt Rainer Buck. „Mir geht es nicht darum, „bibeltreue Christen“ als homophob zu verurteilen. Ich weiß, dass Homosexualität in der Bibel ausschließlich negativ erwähnt wird. Allerdings war gleichgeschlechtliche Liebe damals vermutlich nur als Ausschweifung bekannt – in heidnischen Kulten oder in Verbindung mit Orgien. Eine lebenslange Partnerschaft zwischen Frauen oder Männern in gegenseitiger Treue hatte damals Niemand auf dem Schirm. Vielleicht sagt die Bibel deshalb nichts dazu, weil es Keiner verstanden hätte. Die Frage ist, wie empfinden Homosexuelle, die von Herzen Jesus lieben, die Ausgrenzung in ihren Gemeinden? Und wie geht Jesus mit den Betroffenen um?“
„Tims Arche“ ist also kein theologischer Beitrag, sondern eine Geschichte, die es ermöglicht, sich in Betroffene hinein zu versetzen. Wie der Leser dann letztlich mit dem Thema umgeht, bleibt ihm selbst überlassen.
Der Roman dreht sich noch um weitere Aspekte menschlicher Beziehungen in der Gemeinde. Außerdem beschäftigt er sich mit der Frage, wie das Evangelium in einem Umfeld ohne christliche Traditionen verkündigt werden kann.
Rainer Buck ist Jahrgang 1965, verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder. Seit zehn Jahren predigt er regelmäßig als Laie in seiner Methodistengemeinde in Marbach und darüber hinaus. Durch einen befreundeten Autor kam er zum Schreiben. Er sieht darin auch eine Möglichkeit „die Reichweite der Kanzel auszudehnen“.


Montag, 28. Juli 2014

Die Möglichkeiten unserer Zeit nutzen...

...das liegt mir gar nicht so. Ich bin ja ein bequemer Mensch und mache gerne das, was ich sowieso kann. Da weiß ich wenigstens, dass es ohne große Anstrengung funktioniert.
Natürlich habe ich einen Laptop - aber ich benutze ihn vor allem als wunderbare Schreibmaschine mit Speicher- und leichter Korrekturmöglichkeit.
Ich habe auch ein Smartphone - aber nutze davon nicht mal 10% der Möglichkeiten. Vor allem ist es für mich ein Mittel, schnell und leicht Kontakt zur Familie und zu Freuden aufzunehmen.
Seit Jahren verarbeite ich schöne Fotoerinnerungen so: Ich lasse Papierabzüge machen, klebe die auf DinA4 Karton und tüte die Seiten in Prospekt-Hüllen. Die sammele ich dann in Ringbüchern. Entsprechend biegen sich unsere Bücherregal.
Die vielen wunderbaren Fotos von der Hochzeit im Juni haben mich nun endlich gezwungen, platzsparende Fotobücher digital zu erstellen. Ja - da musste ich mich lange rein fuchsen. Und ja: das erste Fotobuch ist nicht so der Kracher geworden. Dafür sieht das zweite schon ziemlich gut aus. Ich kann bestimmt noch acht weitere in dem Format machen, bis sie den Platz füllen, den eines meiner Ringbücher auf den Regalen beansprucht. Dazu sieht so ein digitales Fotobuch viel aufgeräumter und ansprechender aus.

Auch, wenn Nostalgie ganz charmant sein kann - es ist dumm, nur aus Bequemlichkeit am Bewährten festzuhalten. Wer sich weigert, die Chancen der gegenwärtigen Zeit zu nutzen, verpasst vielleicht einen einfachen Zugang zu ungeahnten Möglichkeiten.

Freitag, 4. Juli 2014

Arm sein mit Würde

Ja, das geht. Seit gut sechs Wochen arbeite ich ehrenamtlich bei einer "Tafel" -  in der Stadt, wo auch meine Freikirche zu Hause ist. Ich hatte keine Lust mehr, auf die "offene Tür" zu warten, die der ganzen Gemeinde den Weg zeigt, ihrer Stadt zu dienen. Ich dachte mir: Fange ich mal als Einzelperson damit an. So, wie einige meiner Gemeinde-Geschwister hier und da auch.  Wer weiß, was für Kreise das zieht.
Über ziehende Kreise kann ich jetzt noch nix vermelden. Ich kann aber sagen, dass dieses Ehrenamt gut zu mir passt. Und es ist interessant, sich mal außerhalb der Kirche für eine gute Sache zu engagieren. Da merkt man auch, dass die Gemeinschaft unter "Frommen" duchaus was besonders Schönes ist. :-)
Alle Kunden "meiner" Tafel haben einen Berechtigungsschein, sind also wirklich bedürftige Menschen. Und manche von ihnen haben kaum Bildung oder Erziehung genossen, wissen nichts von "Stil". Aber es gibt auch ganz andere "Kunden" - und sie sind keine Ausnahme. Diese Woche zum Beispiel durfte ich eine richtige "Lady" bedienen. Die alte Dame war elegant gekleidet, - wie ich im Gespräch erfuhr dank eines guten Händchens beim Flohmarkt-Einkauf - sie war dezent geschminkt und schick frisiert. Für so eine würdevolle Person ist es nicht leicht, die Wohltaten einer Tafel in Anspruch zu nehmen. Aber sie überspielt das mit Anmut und wir hatten sogar ein interessantes Gespräch beim "Marktrundgang".
Wenn es mich irgendwann mal trifft, dass ich eine "Tafel" in Anspruch nehmen muss - und man weiß nie, wie das Leben so spielt - dann werde ich durch diese neue Arbeit in meinem Leben Vorbilder dafür haben, wie man würdevoll in Armut leben kann. Und Armut kann uns alle treffen. Ein einziger Krieg - und wir sind vielleicht mittellose Flüchtlinge. Viele arme Menschen haben ihr Armsein nicht verdient. Und die meisten von uns Anderen ihr Reichsein auch nicht.        

Montag, 16. Juni 2014

Ein "Hoch" auf "Die Toten Hosen"

Samstagnacht schien diese "Hymne" nur für unsere Familie geschrieben:

An Tagen wie diesen, wünscht man sich Unendlichkeit
An Tagen wie diesen, haben wir noch ewig Zeit
Wünsch ich mir Unendlichkeit

Das hier ist ewig,ewig für heute
Wir steh'n nicht still, für eine ganze Nacht
Komm ich trag dich,durch die Leute
Hab keine Angst, ich gebe auf dich Acht
Wir lassen uns treiben, tauchen unter, schwimmen mit dem Strom
Dreh'n unsere Kreise, kommen nicht mehr runter, sind schwerelos

An Tagen wie diesen, wünscht man sich Unendlichkeit
An Tagen wie diesen, haben wir noch ewig Zeit
In dieser Nacht der Nächte, die uns so viel verspricht
Erleben wir das Beste, kein Ende ist in Sicht


Mit den Füßen im Sand in einem Beachclub mitten im Pott. Über uns Mond und Sterne. Wärme von der Feuertonne. Mein Mann und ich stehen in einem Kreis wunderbarer Menschen. Mittendrin: Eine wunderschöne Braut - unsere Tochter. Unser frischgebackener Schwiegersohn. Dazu unsere beiden anderen Kinder, die sich ausgelassen mit ihrer Schwester freuen. Und viele wunderbare Freunde des Brautpaares.   

Wir singen mit ganzem Herz und aus vollem Hals mit den Toten Hosen vom Band. Tanzen und lachen. 
Mein Mann sagt zu mir: "Das ist Glück". Und bei mir kullern ein paar Freudentränen.  

Montag, 26. Mai 2014

VORURTEILE...

...die hatte ich! Aber so was von! Letzten Samstag war ich per Bahn in Ostfriesland unterwegs. Auf der Heimreise von einer wunderbaren Woche ganz allein auf Norderney. Auf Menschenansammlungen hatte ich nach der ruhigen Inselwoche so gar keinen Bock.
In Leer füllte sich mein bis dahin wunderbar einsamer Wagon mit einer zehnköpfigen Gruppe junger Männer auf Junggesellenabschiedstour. Die hatten zwei Kästen Bier dabei, mehrere Flaschen Schnaps und eine Ukulele. "Oh shit", dachte ich und vertiefte mich in meinen E-Reader. "Wann muss ich hier die Flucht ergreifen?" Der Gedanke kam, nachdem die Mannschaft den ersten versaut-verhunzten Song zur Ukulele gegrölt hatte.
Aber zum Glück waren die Jungs erst seit Meppen unterwegs und noch nicht besoffen. Ok - der zukünftige Bräutigam war angeschickert, weil er bei jedem verlorenen Quiz-Spiel ein Pinnchen leeren musste. Und seine Freunde hatten ihn gezwungen, eine sehr hässliche Zopfperücke zu tragen. Aber besoffen - wie gesagt - war Keiner. Irgendwann brachten die Jungs mich mit einem coolen Scherz echt zum Lachen. Und ab da hatten wir dann noch nette 80 Minuten bis Bremen. Ich durfte mir Lieder wünschen - egal welche - weil der Knabe mit der Ukulele ein echt begabter Musiker ist, der einfach fast alles spielen kann. Und ein paar der Jungs sangen so schön, dass mir der Verdacht kam, sie hätten schon mal in einem Kirchenchor gesungen. Mit dem angehenden Bräutigam hatte ich sogar ein echt an die Nieren gehendes Gespräch über Leben und Tod. Er hatte mal die Diagnose "Krebs" gehabt.
Kurzum - die Zeit in der Bimmelbahn bis Bremen flog nur so dahin. Und alle diese jungen Männer haben mich sehr respektvoll behandelt. Die hatten echt Stil! Glaubt man aber erst mal nicht, wenn so eine auf Feiern geeichte Meute den Zug stürmt.
Ich freue mich jedenfalls, dass ich nicht meinem ersten Impuls gefolgt bin und spontan die Flucht ergriffen habe! Obwohl ich diese Junggesellenabschiede eigentlich "ASI" finde. Tatsächlich aber scheint es ganz normale, nette Menschen zu geben, die meinen, sowas gehört heute zum Heiraten dazu. Und wenn sie dabei nett, freundlich und höflich bleiben ist auch nix dagegen einzuwenden, wenn sie mal in absonderlichen Outfits einfach Spaß haben und feiern!      

Montag, 28. April 2014

Manchmal stimmen Sprichwörter

"Aufgeschoben ist nicht aufgehoben" ist eines davon. Manchmal ist "aufgeschoben" sogar besser als "sofort". In unserer Familie erfanden wir folgende Tradition: Der Papa macht mit den Töchtern eine Kurzreise zum Abitur, die Mutter mit dem Sohn. Die Väter/Töchter-Reisen sind schon lange Geschichte. Die Mutter/Sohn-Reise wurde aufgeschoben. Nach dem Abi war Söhnchen viel zu frisch verliebt, um Lust auf eine Städtetour mit Mutter zu haben. Dies und Das kam sonst noch dazwischen.
Letzte Woche haben wir Zwei es dann endlich geschafft - Söhnchen ist fast 24 - und es ging nach Prag. Die Reise war grandios! Söhnchen ist alt genug - und dazu sehr souverän mit Stadtplan und so - um mich kreuz und quer mit Straßenbahn und Metro zu allen Sehenswürdigkeiten zu lotsen. Und ich bin noch jung genug, um Spaß an abendlichen Besuchen von Bars zu haben.  
Besser hätte das Timing nicht sein können! Es lohnt sich durchaus, günstige Zeiten abzuwarten.

Dienstag, 1. April 2014

Beten nützt nicht immer...

...auf jeden Fall dann nicht, wenn man selbst was tun kann.
Ein kleines Beispiel aus meinem Hausfrauenalltag:
Gestern hatte ich zwei Waschmaschinenladungen extra vor der Brust. Nach einem Wochenende mit drei Übernachtungsgästen waren das drei Handtücher, drei Duschtücher und dreimal Bettwäsche. Die wollte ich mal eben schnell wieder sauber bekommen. Leider blieb schon die erste Ladung mit den Frotteetüchern auf halber Strecke in der Trommel stecken - mitten im Spülgang tat sich nix mehr.
Ich nahm mir die vielen Frommen zum Vorbild, die sich im heftigsten Großstadtgetümmel immer ihre Parkplätze erbeten und faltete vor der Trommel die Hände: "Lieber Vater im Himmel - bitte mach', dass die Maschine jetzt normal weiter läuft. Du weißt, dass ich keinen Keller habe und die tropfnasse Wäsche nirgendwo aufhängen kann." Ich wartete ein paar Minuten, aber nichts tat sich.
Dann tat ich einen tiefen Seufzer - und packte die klatschnassen Tücher in einen Wäschekorb. Einen ohne Löcher, natürlich. Danach schöpfte ich mühevoll das Restwasser aus der Trommel. Und dann kniete ich vor meiner Waschmaschine auf dem mittlerweile ziemlich nassen Boden und öffnete die Abdeckung zur Pumpe. Dabei habe ich mir einen Fingernagel abgebrochen. Aus dem Zugang zur Pumpe fischte ich dann vier Kragenstäbchen. Die vergesse ich meistens vor dem Waschen aus den Oberhemden meines Gatten zu nehmen.
Was soll ich sagen: Nach dieser Aktion lief die Waschmaschine wieder einwandfrei. Mittlerweile sind Handtücher und Bettwäsche duftig zurück im Schrank. Und ich habe einmal mehr verstanden, dass wir Gott um alles bitten dürfen. Nur er kann Wunder tun. Aber Bequemlichkeit und Faulheit unterstützt er nicht.