Hammer! Bin kein Fußballnarr, aber das EM-Spiel heute hat mich mal echt geflasht. Underdogs gegen Favouriten ist ja immer eine coole Geschichte. Deshalb hat mich der Sieg Islands sowieso gefreut. Aber es ist auch echt spannend zu gucken wie Isländer so drauf sind.
Die feiern ja ganz anders als z.B. die Italiener heute am frühen Abend. Da gab es überschwängliche Salti, Armzüge am Tor, Küsse und Tanz.
Die Isländer haben sich offensichtlich auch gefreut - aber eben nordisch zurückhaltend. Die Mannschaft stand fest auf den Beinen beim Feiern mit den Fans. Nicht der Hauch eines Tänzelns war zu entdecken. Dann haben die Fußballer angefangen, langsam rhythmisch zu klatschen. Ab und zu riefen sie gemeinsam mit den Fans "Uh!" Unterwegs wurde der Rhythmus ein bisschen flotter - und das wars mit der Euphorie.
Wunderbar! Das hatte was von Wikingern und Stammesriten - nordischen Riten. Ich fand das super. Wahrscheinlich, weil diese mehr introvertierte Freude mir entgegen kommt. Bin ja auch nicht so der Latino-Typ. :-)
Wenn ich mir die isländische Nationalmannschaft angucke - diese ganzen "sons" - kann ich sagen: Ich mag die Isländer. Geht vermutlich nicht nur mir so. Wäre ich bloß mal schon letztes Jahr nach Island in den Urlaub gefahren!
Montag, 27. Juni 2016
Samstag, 25. Juni 2016
Schlagzeilen und Menschen
"Im Kaifu-Bad in Eimsbüttel hat sich am Mittwochnachmittag ein schwerer Badeunfall ereignet.Ein kleines Mädchen (6) drohte aus bisher unbekannter Ursache zu ertrinken und musste von den Rettern noch vor Ort reanimiert werden. Der schwere Unfall ereignete sich gegen etwa 17 Uhr. Die Kleine war im Becken abgesunken und wurde aus dem Wasser gezogen. Die alarmierten Rettungskräfte reanimierten das Mädchen. Glücklicherweise erlangte das Kind noch vor Ort das Bewusstsein zurück und kam anschließend unter notärztlicher Begleitung ins UKE. Lebensgefahr besteht nicht. Wie genau es zu dem Unfall kommen konnte, muss jetzt geklärt werden."
So las man am Mittwoch in der "MoPo". Eine Notiz, die für Unbeteiligte untergeht inmitten der Fülle von Nachrichtenmeldungen jeden Tag.
Jetzt weiß ich: Die "Kleine" ist die geliebte Enkelin von guten "alten" Bekannten. Wir haben vor Jahren schon den 60. Geburtstag der Großeltern mitgefeiert. Und plötzlich bekommt so eine "Randnotiz" ein vertrautes Gesicht. Wir freuen uns mit den Eltern und Großeltern, dass alles gut ausgegangen ist. Aber die Erschütterung der Familie ist ja passiert. Alpträume werden erst mal bleiben.
Hinter jeder knappen Schlagzeile über Unfall-, Kriegs- oder Mordopfer stehen persönliche Geschichten und Beziehungen. Keine dieser Nachrichten ist einfach nur eine Meldung. Leidende und trauernde, auf jeden Fall erschütterte Menschen gehören zu diesen sachlichen Notizen.
Mitleiden statt Gewöhnung: Ist das überhaupt möglich - außer in Einzelfällen? Wünschenswert ist echtes Mitleiden auf jeden Fall. Aber bei der Fülle von schlechten Nachrichten über menschliches Leid: Lässt sich das durchhalten ohne dran kaputt zu gehen? Ist Gewöhnung auch ein Selbsterhaltung-Schutz? Vermutlich ja - trotzdem kommt mir das unmenschlich vor.
Mittwoch, 23. März 2016
Fünf Brote und zwei Fische
Fromme Leser kennen vermutlich den Druck: Wie soll ich als Christ im Alltag positive Impulse geben? Ich habe keine Stimme, ich habe keine Bedeutung, ich habe meine Fehler, ich habe meine Sünden...SO kann ich doch nix bewirken!
Das Geheimnis ist: ICH muss auch nix bewirken! Es geht darum, das Wenige, was ich zu bringen habe, vertrauensvoll und ehrlich zu geben. Gott ist der, welcher Wunder wirkt, nicht ich. ER kann aus Wasser Wein machen, ER kann mit fünf Broten und zwei Fischen 5000 Menschen satt machen.
Wie entspannend ist das denn! Jesus ist für die Wirkung zuständig, nicht ich. Und: ER ist auch für das "wann" der Wirkung zuständig.
Ein Beispiel aus meinem Alltag: Vor ca. zwei Jahren habe ich beschlossen, einen Teil meiner freien Zeit nicht meiner Gemeinde ehrenamtlich zur Verfügung zu stellen, sondern der Stadt. Seither arbeite ich für die örtliche "Tafel". Jeden Dienstag entlade ich die Sprinter von der Ware, baue die Lebensmittel im "Verkaufsraum" auf und bediene anschließend die "Kunden". Das alles natürlich im Team. In den ersten Monaten ergab sich keine Chance, mich bei den Kolleginnen als Christ zu outen. Ok - ich hätte mich natürlich in der ein oder anderen Pause auf einen Stuhl stellen und predigen können. Aber so was entspricht nicht meiner Natur.
Ich habe einfach fröhlich meinen Dienst gemacht, "small getalked", interessiert zugehört. Nach einem guten halben Jahr dann zum ersten Mal die Frage: "Wieso kennst du einige von den Flüchtlingen so gut?" Das war dann die Chance, von meiner Freikirche zu erzählen, die eine gute Flüchtlingsarbeit macht, wo ich auch mitarbeite.
Noch mal vier Monate später dann das erste vertrauliche Gespräch mit einer Kollegin, die persönliche Probleme hat.
Und gestern sagt eine andere Kollegin zu mir: "Du gibst hier jeden Dienstag so viel Liebe - deshalb bekommst du die von uns auch zurück." Wow! Ich habe keine Ahnung, woran sie das festgemacht hat. Ich bin weder der Umarmungstyp, noch eine Frau, die von liebevollen Worten übersprudelt. Ich sehe mich eher als nüchtern, manchmal entfährt mir gar eine ironische Spitze. Und trotzdem scheint rüber zu kommen, dass ich Kolleginnen und Kunden mag, die mir bei der Tafel begegnen. Das ist eben das Geheimnis der "Brotvermehrung". Gott kann Menschen "satt" machen mit dem winzigen, unvollkommenen Bisschen, das ich ehrlich in mir habe.
Das mal so als Ermutigung für alle, die meinen, sie wären nicht genug. Gib, was du du kannst - für die Fülle sorgt Gott.
Das Geheimnis ist: ICH muss auch nix bewirken! Es geht darum, das Wenige, was ich zu bringen habe, vertrauensvoll und ehrlich zu geben. Gott ist der, welcher Wunder wirkt, nicht ich. ER kann aus Wasser Wein machen, ER kann mit fünf Broten und zwei Fischen 5000 Menschen satt machen.
Wie entspannend ist das denn! Jesus ist für die Wirkung zuständig, nicht ich. Und: ER ist auch für das "wann" der Wirkung zuständig.
Ein Beispiel aus meinem Alltag: Vor ca. zwei Jahren habe ich beschlossen, einen Teil meiner freien Zeit nicht meiner Gemeinde ehrenamtlich zur Verfügung zu stellen, sondern der Stadt. Seither arbeite ich für die örtliche "Tafel". Jeden Dienstag entlade ich die Sprinter von der Ware, baue die Lebensmittel im "Verkaufsraum" auf und bediene anschließend die "Kunden". Das alles natürlich im Team. In den ersten Monaten ergab sich keine Chance, mich bei den Kolleginnen als Christ zu outen. Ok - ich hätte mich natürlich in der ein oder anderen Pause auf einen Stuhl stellen und predigen können. Aber so was entspricht nicht meiner Natur.
Ich habe einfach fröhlich meinen Dienst gemacht, "small getalked", interessiert zugehört. Nach einem guten halben Jahr dann zum ersten Mal die Frage: "Wieso kennst du einige von den Flüchtlingen so gut?" Das war dann die Chance, von meiner Freikirche zu erzählen, die eine gute Flüchtlingsarbeit macht, wo ich auch mitarbeite.
Noch mal vier Monate später dann das erste vertrauliche Gespräch mit einer Kollegin, die persönliche Probleme hat.
Und gestern sagt eine andere Kollegin zu mir: "Du gibst hier jeden Dienstag so viel Liebe - deshalb bekommst du die von uns auch zurück." Wow! Ich habe keine Ahnung, woran sie das festgemacht hat. Ich bin weder der Umarmungstyp, noch eine Frau, die von liebevollen Worten übersprudelt. Ich sehe mich eher als nüchtern, manchmal entfährt mir gar eine ironische Spitze. Und trotzdem scheint rüber zu kommen, dass ich Kolleginnen und Kunden mag, die mir bei der Tafel begegnen. Das ist eben das Geheimnis der "Brotvermehrung". Gott kann Menschen "satt" machen mit dem winzigen, unvollkommenen Bisschen, das ich ehrlich in mir habe.
Das mal so als Ermutigung für alle, die meinen, sie wären nicht genug. Gib, was du du kannst - für die Fülle sorgt Gott.
Dienstag, 1. März 2016
Ahab, Isebel und die Flüchtlingsfrage
(Auszug aus meiner Predigt. Es hilft, 1. Könige, Kapitel 21 dazu zu lesen)
Ahab symbolisiert für mich Deutschland – besonders meine Generation und die
Nachfolger.
Wir leben in unserem Land wie in einem schönen Palast.
Genau wie Ahab haben wir den nicht verdient, bloß geerbt.
Zum ersten Mal wurde mir meine unverdiente glückliche Geburt an richtiger
Stelle viele Jahre vor dem Mauerfall deutlich.
Meine Eltern waren mit einem Ehepaar befreundet, das in Karl-Marx-Stadt
lebte. (Heute Chemnitz). Wir haben diese Freunde ab und an besucht.
Was immer nervenaufreibend war wegen der strengen Kontrollen an der
innerdeutschen Grenze.
Das Ehepaar hatte fünf Kinder, rund um mein Alter verteilt.
Ich mochte die ganze Familie gut leiden – auch wegen des besonderen
sächsischen Humors, dem Sinn für Ironie.
Ich habe mich mit 18 schon gefragt: Warum darf ich auf der „freien“ Seite
der Mauer leben? Womit habe ich das verdient? Es hätte auch alles ganz anders
kommen können…
Ahab würde sich sowas nie fragen.
Ahab nimmt seine unverdienten Privilegien als selbstverständlich.
Ahab regt sich nur dann, wenn er Angst hat, dass ihm etwas vorenthalten
oder weg genommen wird.
So, wie sich in unserem Land angesichts der Flüchtlingskrise auch negative
Stimmen regen. Am geläufigsten ist wohl diese Anklage: Die Flüchtlinge haben
alle Smartphones!
Das ist genauso unmöglich wie Ahab mit seinem riesen Palast, den Gärten
drumrum und dem Komfort. Er schielte auf den vergleichsweise sehr armen Nabot
und sagte: Der hat einen Weinberg!
Für viele Flüchtlinge ist das Smartphone der einzige Gegenstand, den sie
mitnehmen konnten. Der einzige Gegenstand, der sie mit ihrer Familie, ihrer
Geschichte verbindet. Darüber halten sie Kontakt – so wie sich Nabot auch mit
seinen Ahnen durch den geerbten Familienbesitz verbunden wusste.
Auf dem Smartphone speichern sie Erinnerungen.
Ich habe zuhause vier große Regale voller Ringbücher. Das sind meine
Fotoalben. Erinnerungen an 53 Jahre,
festgehalten in besonderen Momenten. Wenn ich fliehen müsste – ich müsste das
alles zurück lassen. Ich wäre froh über jede Erinnerung, jedes Foto, das ich
auf meinem Smartphone gespeichert hätte.
Und da wollen wir ernsthaft her kommen und sagen: Die Flüchtlinge sind gar
nicht so bedürftig? Die haben alle Smartphones?
-
Das ist egozentrische Ahab-Denke.
Und von da ist der Schritt zur mörderischen Isebel-Denke und –Tat nicht
weit.
Beim Thema „Flüchtlinge“ will ich bestimmt nicht einer blauäugigen
„Alles-wird-gut-Kultur“ das Wort reden. Es ist ein Problem – und es gibt keine
einfachen Lösungen.
Aber ich bin sicher: Als Christen sind wir aufgerufen, „pro Flüchtlinge“ zu
denken und zu handeln – und nicht gegen sie. Der Geist Gottes steht dem Geist
Isebels völlig entgegen. Gott sagte schon im AT sehr deutlich Folgendes:
„Unterdrückt nicht die Fremden, die in eurem Land leben, sondern behandelt
sie genau wie euresgleichen. Jeder von euch soll seinen fremden Mitbürger
lieben wie sich selbst. Denkt daran, dass auch ihr in Ägypten Fremde gewesen
seid. Ich bin der Herr, euer Gott.“ (3. Mose 19.33-34)
Deutlicher geht’s doch gar nicht, oder?
Mittwoch, 20. Januar 2016
Familienforschung...
...so was macht Spaß. Und kostet Zeit. Ich bin gerade dabei, meine Verwandschaft in USA aufzuspüren. Noch vor dem 2. Weltkrieg sind zwei Geschwister meiner Oma mütterlicherseits aus Hemer in Westfalen in die Vereinigten Staaten ausgewandert. Auch, um Geld für die Daheimgebliebenen zu verdienen.
Meine Großtante Else und mein Großonkel Otto haben beide Familien gegründet. Ihre Enkel und Urenkel sind zahlreich über das Land verstreut.
Ein Sohn von Else ist im gleichen Jahr wie meine Mutter geboren. Weil Else einen deutschen Mann geheiratet hat, wurde zu Hause viel Deutsch gesprochen.
Seit drei Wochen schreiben Fred und ich uns in einem Mischmasch aus Englisch und Deutsch. Das ist bisweilen lustig und immer hochinteressant. Fred hat einen Stammbaum erstellt, der bis ins 18. Jahrhundert zurück reicht. Meine Ugroßmutter stammt aus einer alteingessenen Familie aus Linkenheim. Das ist bei Karlsruhe. Als Kind bin ich mit meiner Oma öfter dort gewesen.
Auch Fred,seine Frau und die vier Kinder habe ich mal kennengelernt - 1978 in Albuquerque, New Mexico. Da war ich 15. Wir sind uns seither nie mehr begegnet und lernen und jetzt ganz neu kennen. Es macht Spaß, Familienähnlichkeiten zu entdecken - im Denken, im Humor, im Glauben.
Fred hat auch viele alte Dokumente und Fotos gescannt. Durch "Detektiv-Arbeit" kann man im Vergleichen und Interpretieren so manchem alten Familiengeheimnis auf die Spur kommen. Da noch tiefer zu graben, könnte ein neues Hobby von mir werden.
Meine Großtante Else und mein Großonkel Otto haben beide Familien gegründet. Ihre Enkel und Urenkel sind zahlreich über das Land verstreut.
Ein Sohn von Else ist im gleichen Jahr wie meine Mutter geboren. Weil Else einen deutschen Mann geheiratet hat, wurde zu Hause viel Deutsch gesprochen.
Seit drei Wochen schreiben Fred und ich uns in einem Mischmasch aus Englisch und Deutsch. Das ist bisweilen lustig und immer hochinteressant. Fred hat einen Stammbaum erstellt, der bis ins 18. Jahrhundert zurück reicht. Meine Ugroßmutter stammt aus einer alteingessenen Familie aus Linkenheim. Das ist bei Karlsruhe. Als Kind bin ich mit meiner Oma öfter dort gewesen.
Auch Fred,seine Frau und die vier Kinder habe ich mal kennengelernt - 1978 in Albuquerque, New Mexico. Da war ich 15. Wir sind uns seither nie mehr begegnet und lernen und jetzt ganz neu kennen. Es macht Spaß, Familienähnlichkeiten zu entdecken - im Denken, im Humor, im Glauben.
Fred hat auch viele alte Dokumente und Fotos gescannt. Durch "Detektiv-Arbeit" kann man im Vergleichen und Interpretieren so manchem alten Familiengeheimnis auf die Spur kommen. Da noch tiefer zu graben, könnte ein neues Hobby von mir werden.
Montag, 28. Dezember 2015
Weihnachten 2015...
...ist nun auch schon Geschichte. Am 23.12. sind die Kinder alle eingetrudelt und der Gatte und ich kamen von Null auf Hundert. Ja gut, nicht ganz so dramatisch: Von Zwei auf Sieben. Die meiste Zeit des Jahres bewohnen wir unser Häuschen schon einige Jahre nur zu Zweit. Was sehr entspannt und aufgeräumt ist. Über Weihnachten sind wir derzeit fünf Menschen mehr. Was sich ja noch steigern kann. :-)
Am Morgen des 23.12. kam zuerst unser Auslandsstudent aus Prag - mit einem Nachtbus, der gegen 22.00 in dieser wunderbaren Stadt gestartet war. Nachmittags trudelte unsere Tochter aus Essen mit ihrem Ehemann ein und gegen 18.00 dann auch die Tochter aus der Nachbarstadt mit ihrem Freund.
Was bin ich froh, dass wir Schlafplätze für alle haben. Und ein zweites Bad.
Und wie dankbar bin ich, dass ich mit 53 noch fit genug bin, um die Turbulenzen nicht nur zu wuppen, sondern auch wirklich zu genießen!
Die ersten Weihnachten, nachdem alle Kinder ausgezogen waren, musste ich mich erst mal an das Chaos für ein paar Tage gewöhnen. Inzwischen habe ich gelernt, dass sie ja ihre Klüngeln mitnehmen, wenn sie wieder ausziehen: Die gefühlt 100 Schuhe, die unsere Diele vollstellen, die zahlreichen Winterjacken, die unsere Garderobe voll hängen, die Kulturbeutel, die Koffer und Taschen - eben alles, was unser Haus plötzlich so voll aussehen lässt.
Und deswegen habe ich dieses Jahr Weihnachten von Herzen genießen können: Die Gespräche, die Scherze, sogar das Gesellschaftsspiel und vor allem die ellenlangen, gemütlichen Frühstücke.
Seit heute Morgen ist das Haus wieder leer. Und ich freue mich schon auf nächstes Jahr Weihnachten. Wer weiß - vielleicht sind wir dann schon mehr als Sieben. Noch ist Platz für zusätzliche Matratzenlager und auch Reisebettchen. :-)
Am Morgen des 23.12. kam zuerst unser Auslandsstudent aus Prag - mit einem Nachtbus, der gegen 22.00 in dieser wunderbaren Stadt gestartet war. Nachmittags trudelte unsere Tochter aus Essen mit ihrem Ehemann ein und gegen 18.00 dann auch die Tochter aus der Nachbarstadt mit ihrem Freund.
Was bin ich froh, dass wir Schlafplätze für alle haben. Und ein zweites Bad.
Und wie dankbar bin ich, dass ich mit 53 noch fit genug bin, um die Turbulenzen nicht nur zu wuppen, sondern auch wirklich zu genießen!
Die ersten Weihnachten, nachdem alle Kinder ausgezogen waren, musste ich mich erst mal an das Chaos für ein paar Tage gewöhnen. Inzwischen habe ich gelernt, dass sie ja ihre Klüngeln mitnehmen, wenn sie wieder ausziehen: Die gefühlt 100 Schuhe, die unsere Diele vollstellen, die zahlreichen Winterjacken, die unsere Garderobe voll hängen, die Kulturbeutel, die Koffer und Taschen - eben alles, was unser Haus plötzlich so voll aussehen lässt.
Und deswegen habe ich dieses Jahr Weihnachten von Herzen genießen können: Die Gespräche, die Scherze, sogar das Gesellschaftsspiel und vor allem die ellenlangen, gemütlichen Frühstücke.
Seit heute Morgen ist das Haus wieder leer. Und ich freue mich schon auf nächstes Jahr Weihnachten. Wer weiß - vielleicht sind wir dann schon mehr als Sieben. Noch ist Platz für zusätzliche Matratzenlager und auch Reisebettchen. :-)
Sonntag, 15. November 2015
Merci
Folgenden Text habe ich neulich mal entworfen. Besonders wichtig ist mir das "Fette". Auch ich trauere aus ganzem Herzen mit "Paris". Aber ich habe ebenfalls Angst davor, dass diese Trauer gegen Flüchtlinge instrumentalisiert wird. Meine Generation und die Nachfolger dürfen nicht vergessen, dass es nicht unser Verdienst ist, in einem sicheren Land zu leben...
Um 7.15 klingelt mein Wecker. Ich sehe durch die Schlitze der Jalousie:
Dieser Tag im Oktober beginnt ungemütlich nass und wahrscheinlich auch kalt.
Ich kuschel mich noch mal fünf Minuten unter meine warme Bettdecke. Mir geht es
erstaunlich gut. Gestern fühlte ich mich so richtig krank: verstopfte Nase,
Kopf- und Halsschmerzen, Husten – das ganze fiese Erkältungsprogramm. Zur Nacht
hatte ich Aspirin genommen und offensichtlich hat es gewirkt. Mein erster Dank
heute Morgen geht an die unbekannten Erfinder dieses Wirkstoffes. Später werde
ich googlen, wem ich diese Wohltat zu verdanken habe.
Gegen 7.35 sitze ich im Bademantel am Frühstückstisch, freue mich auf
meinen Kaffee und das Hamburger Abendblatt. Das fischt mein Mann jeden Morgen
kurz vor Sieben aus dem Briefkasten. Er findet es dort zuverlässig von Montag
bis Samstag. Und das nur, weil unser Zeitungszusteller zu nachtschlafender Zeit
bei Wind und Wetter unterwegs ist, um uns die Morgenlektüre zu sichern. Danke,
Sahid! (Wir kennen seinen Namen, weil wir immer zu Weihnachten eine Grußkarte
von ihm in der Post haben. Und natürlich setzen wir unseren Dank dann auch in
ein angemessenes Weihnachtsgeld um.)
Heute Morgen titelt das Abendblatt in fetten Lettern: „Auch im Winter
müssen Flüchtlinge in Zelten leben“. Das trübt meinen Kaffeegenuss. Gerade
auch, weil ich noch ganz frisch weiß, wie es einem mit einer fiesen Erkältung
geht. Und dann auch noch frieren müssen? Ganz gruselige Vorstellung!
Gleichzeitig bin ich dankbar dafür, dass ich kein Flüchtling bin. Das ist
ein Privileg, das ich mir nicht selbst verdient habe. Noch nicht mal meine
Eltern haben etwas dazu beigetragen, sie waren völlig unpolitisch. Und einer
meiner Großväter war sogar Zeit seines Lebens kein Hitler-Feind…
Trotzdem darf ich die Früchte genießen, welche die Väter des Grundgesetzes
erarbeitet und viele politisch handelnde Menschen in unserem Land verteidigt
haben. Ich sollte mir angewöhnen, jeden Tag dafür „danke“ zu sagen!
Da fällt mir ein: Dankbar bin ich auch für meine Kirchengemeinde. Sie hat
ein „Willkommen-Cafe“ für Flüchtlinge in ihren Räumen etabliert. Dort arbeite
ich mit und habe so die Chance, wenigstens Einige von ihnen zu unterstützen.
Wir helfen dort beim Deutschlernen und knüpfen Beziehungen. Wie schön war das
neulich mit den Iranerinnen Leila und Masoumeh bei mir im Garten! Die Gespräche
mit ihnen laufen noch ein bisschen holprig, aber die Beiden machen rasante
Fortschritte in Deutsch. Und mein Horizont wird unglaublich erweitert.
Heute ist übrigens Donnerstag, da hat das Abendblatt immer eine Beilage,
die u.a. neue Kinofilme vorstellt. Da freue ich mich immer drauf. Ich gehe
gerne ins Kino und muss dafür nicht mal nach Hamburg rein fahren. In meiner
Kleinstadt gibt es tatsächlich ein
„Dorfkino“! Das erreiche ich in knapp
vier Minuten zu Fuß. Nur einmal links die Sackgasse runter, dann den
Trampelpfad durch die Hecke, eben über die Bundesstraße – und schon bin ich da.
Montagabend waren wir in „Alles steht Kopf“. Das ist der neueste
Pixar/Disney-Film und er ist ganz wunderbar. Sehr witzig und sehr klug. Was bin
ich den Kinobetreibern dankbar, dass sie vor 15 Jahren das Risiko eingegangen
sind, diesen Standort zu wählen. Inzwischen ist dieses Vergnügen aus unserem
Städtchen gar nicht mehr weg zu denken.
Wobei richtig gute Filme ja nicht nur Vergnügen machen, sondern auch Tränen
fließen lassen. So wie „Honig im Kopf“ – der vielleicht beste deutsche Film des
Jahres. Und das trotz Til Schweiger in einer Hauptrolle! Den mag ich als
Schauspieler so gar nicht. Allein mal dieses unsägliche Genuschel! Aber er ist
ein guter Regisseur, Drehbuchautor und Produzent. Für „Honig im Kopf“ und die
Besetzung der Hauptrolle mit Dieter Hallervorden kann man ihm echt mal ein
dickes „Danke“ sagen.
Unglaublich! Es ist erst 8.15 und mir sind schon so viele „Bedankemichs“
eingefallen. Nach dem Duschen werde ich als erstes die Mülltonne wieder aufs
Grundstück fahren. Und in Gedanken werde ich einen Gruß an die Müllmänner
schicken. Die sind treu und brav bei Wind und Wetter unterwegs, um meinen Dreck
weg zu machen. Später will ich versuchen, unsere Postbotin abzufangen. Es wird
Zeit, ihr mal zu sagen, dass ich für ihre verlässliche Dienstleitung echt
dankbar bin. Sehr schade übrigens, dass ich so gar nicht singen kann. Das wäre
mal was, für sie die „Merci-Werbung“ zu inszenieren! Vorstellen kann ich mir
das gut: Während die Postbotin an meinem Briefkasten nestelt, stürze ich,
untermalt von Pauken und Trompeten, mit meiner Schokoladentafel aus der
Haustür. Und schmetter der Dame voller
Inbrunst entgegen: „Du bist der hellste Punkt an
meinem Horizont! Du bist der
Farbenklecks in meinem „grau-in-grau“! Du
bist das Hänschenklein in meinem Kinderlied! Merci,
dass es dich gibt!“
Nun ja – die Postbotin, die Müllmänner, der
Zeitungszusteller und Til Schweiger dürfen auch mir „danke“ sagen: Ich erspare
ihnen diese abstruse Darbietung.
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