Montag, 16. Juni 2014

Ein "Hoch" auf "Die Toten Hosen"

Samstagnacht schien diese "Hymne" nur für unsere Familie geschrieben:

An Tagen wie diesen, wünscht man sich Unendlichkeit
An Tagen wie diesen, haben wir noch ewig Zeit
Wünsch ich mir Unendlichkeit

Das hier ist ewig,ewig für heute
Wir steh'n nicht still, für eine ganze Nacht
Komm ich trag dich,durch die Leute
Hab keine Angst, ich gebe auf dich Acht
Wir lassen uns treiben, tauchen unter, schwimmen mit dem Strom
Dreh'n unsere Kreise, kommen nicht mehr runter, sind schwerelos

An Tagen wie diesen, wünscht man sich Unendlichkeit
An Tagen wie diesen, haben wir noch ewig Zeit
In dieser Nacht der Nächte, die uns so viel verspricht
Erleben wir das Beste, kein Ende ist in Sicht


Mit den Füßen im Sand in einem Beachclub mitten im Pott. Über uns Mond und Sterne. Wärme von der Feuertonne. Mein Mann und ich stehen in einem Kreis wunderbarer Menschen. Mittendrin: Eine wunderschöne Braut - unsere Tochter. Unser frischgebackener Schwiegersohn. Dazu unsere beiden anderen Kinder, die sich ausgelassen mit ihrer Schwester freuen. Und viele wunderbare Freunde des Brautpaares.   

Wir singen mit ganzem Herz und aus vollem Hals mit den Toten Hosen vom Band. Tanzen und lachen. 
Mein Mann sagt zu mir: "Das ist Glück". Und bei mir kullern ein paar Freudentränen.  

Montag, 26. Mai 2014

VORURTEILE...

...die hatte ich! Aber so was von! Letzten Samstag war ich per Bahn in Ostfriesland unterwegs. Auf der Heimreise von einer wunderbaren Woche ganz allein auf Norderney. Auf Menschenansammlungen hatte ich nach der ruhigen Inselwoche so gar keinen Bock.
In Leer füllte sich mein bis dahin wunderbar einsamer Wagon mit einer zehnköpfigen Gruppe junger Männer auf Junggesellenabschiedstour. Die hatten zwei Kästen Bier dabei, mehrere Flaschen Schnaps und eine Ukulele. "Oh shit", dachte ich und vertiefte mich in meinen E-Reader. "Wann muss ich hier die Flucht ergreifen?" Der Gedanke kam, nachdem die Mannschaft den ersten versaut-verhunzten Song zur Ukulele gegrölt hatte.
Aber zum Glück waren die Jungs erst seit Meppen unterwegs und noch nicht besoffen. Ok - der zukünftige Bräutigam war angeschickert, weil er bei jedem verlorenen Quiz-Spiel ein Pinnchen leeren musste. Und seine Freunde hatten ihn gezwungen, eine sehr hässliche Zopfperücke zu tragen. Aber besoffen - wie gesagt - war Keiner. Irgendwann brachten die Jungs mich mit einem coolen Scherz echt zum Lachen. Und ab da hatten wir dann noch nette 80 Minuten bis Bremen. Ich durfte mir Lieder wünschen - egal welche - weil der Knabe mit der Ukulele ein echt begabter Musiker ist, der einfach fast alles spielen kann. Und ein paar der Jungs sangen so schön, dass mir der Verdacht kam, sie hätten schon mal in einem Kirchenchor gesungen. Mit dem angehenden Bräutigam hatte ich sogar ein echt an die Nieren gehendes Gespräch über Leben und Tod. Er hatte mal die Diagnose "Krebs" gehabt.
Kurzum - die Zeit in der Bimmelbahn bis Bremen flog nur so dahin. Und alle diese jungen Männer haben mich sehr respektvoll behandelt. Die hatten echt Stil! Glaubt man aber erst mal nicht, wenn so eine auf Feiern geeichte Meute den Zug stürmt.
Ich freue mich jedenfalls, dass ich nicht meinem ersten Impuls gefolgt bin und spontan die Flucht ergriffen habe! Obwohl ich diese Junggesellenabschiede eigentlich "ASI" finde. Tatsächlich aber scheint es ganz normale, nette Menschen zu geben, die meinen, sowas gehört heute zum Heiraten dazu. Und wenn sie dabei nett, freundlich und höflich bleiben ist auch nix dagegen einzuwenden, wenn sie mal in absonderlichen Outfits einfach Spaß haben und feiern!      

Montag, 28. April 2014

Manchmal stimmen Sprichwörter

"Aufgeschoben ist nicht aufgehoben" ist eines davon. Manchmal ist "aufgeschoben" sogar besser als "sofort". In unserer Familie erfanden wir folgende Tradition: Der Papa macht mit den Töchtern eine Kurzreise zum Abitur, die Mutter mit dem Sohn. Die Väter/Töchter-Reisen sind schon lange Geschichte. Die Mutter/Sohn-Reise wurde aufgeschoben. Nach dem Abi war Söhnchen viel zu frisch verliebt, um Lust auf eine Städtetour mit Mutter zu haben. Dies und Das kam sonst noch dazwischen.
Letzte Woche haben wir Zwei es dann endlich geschafft - Söhnchen ist fast 24 - und es ging nach Prag. Die Reise war grandios! Söhnchen ist alt genug - und dazu sehr souverän mit Stadtplan und so - um mich kreuz und quer mit Straßenbahn und Metro zu allen Sehenswürdigkeiten zu lotsen. Und ich bin noch jung genug, um Spaß an abendlichen Besuchen von Bars zu haben.  
Besser hätte das Timing nicht sein können! Es lohnt sich durchaus, günstige Zeiten abzuwarten.

Dienstag, 1. April 2014

Beten nützt nicht immer...

...auf jeden Fall dann nicht, wenn man selbst was tun kann.
Ein kleines Beispiel aus meinem Hausfrauenalltag:
Gestern hatte ich zwei Waschmaschinenladungen extra vor der Brust. Nach einem Wochenende mit drei Übernachtungsgästen waren das drei Handtücher, drei Duschtücher und dreimal Bettwäsche. Die wollte ich mal eben schnell wieder sauber bekommen. Leider blieb schon die erste Ladung mit den Frotteetüchern auf halber Strecke in der Trommel stecken - mitten im Spülgang tat sich nix mehr.
Ich nahm mir die vielen Frommen zum Vorbild, die sich im heftigsten Großstadtgetümmel immer ihre Parkplätze erbeten und faltete vor der Trommel die Hände: "Lieber Vater im Himmel - bitte mach', dass die Maschine jetzt normal weiter läuft. Du weißt, dass ich keinen Keller habe und die tropfnasse Wäsche nirgendwo aufhängen kann." Ich wartete ein paar Minuten, aber nichts tat sich.
Dann tat ich einen tiefen Seufzer - und packte die klatschnassen Tücher in einen Wäschekorb. Einen ohne Löcher, natürlich. Danach schöpfte ich mühevoll das Restwasser aus der Trommel. Und dann kniete ich vor meiner Waschmaschine auf dem mittlerweile ziemlich nassen Boden und öffnete die Abdeckung zur Pumpe. Dabei habe ich mir einen Fingernagel abgebrochen. Aus dem Zugang zur Pumpe fischte ich dann vier Kragenstäbchen. Die vergesse ich meistens vor dem Waschen aus den Oberhemden meines Gatten zu nehmen.
Was soll ich sagen: Nach dieser Aktion lief die Waschmaschine wieder einwandfrei. Mittlerweile sind Handtücher und Bettwäsche duftig zurück im Schrank. Und ich habe einmal mehr verstanden, dass wir Gott um alles bitten dürfen. Nur er kann Wunder tun. Aber Bequemlichkeit und Faulheit unterstützt er nicht.  

Freitag, 14. März 2014

Schmunzeln beim Bibellesen...

...ja, das kommt vor. Gestern zum Beispiel:

Markus 8, 14 – 21:
Die Jünger hatten vergessen, Brot zu besorgen. Nur ein einziges hatten sie bei sich im Boot. Jesus warnte sie: „Nehmt euch in acht vor dem Sauerteig der Pharisäer und vor dem Sauerteig des Herodes!“ Da sagten sie zueinander: „Wir haben kein Brot!“

Das ist Situationskomik – allerdings bleibt das Schmunzeln dann doch im Hals stecken.Jesus will seinen Jüngern etwas ganz Wichtiges mitteilen. Gerade eben hatten sie alle gemeinsam erlebt, wie ätzend die Pharisäer so drauf waren. Die hatten Jesus dazu gebracht, entnervt über sie zu stöhnen, ihnen den Rücken zu zukehren und vor ihnen davon zu fahren. Sie hatten nichts anderes im Sinn gehabt, als Jesus zu provozieren. Jesus knüpft an dieses gemeinsame Erlebnis an und sagt: Hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer!

(Sauerteig wurde schon früh bei der Gärung von Brot benutzt. Als Symbol wird er in der Schrift stets für das Wirken des menschlichen Elementes im Reich Gottes benutzt. Der Sauerteig steht also letztendlich für das Wirken des Bösen. Ein wenig Sauerteig reicht aus, um eine große Menge Teig bis ins letzte zu durchdringen.)

Statt sich nun mit dieser ernsthaften Warnung ihres Herrn auseinanderzusetzen, hören die Jünger nur mit halbem Ohr zu. Zu beschäftigt sind sie mit ihren eigenen Bedürfnissen. Deshalb hören sie „Brot“, obwohl Jesus das überhaupt nicht gesagt hat. Aber weil sie um sich selbst kreisen, schaffen sie sich ihre eigene Gedankenkette. Zum einen fixieren sie sich nur auf ein einziges von Jesu Worten: „Sauerteig“. Und dann spinnen sie im Kopf weiter: Sauerteig – Brot – haben wir nicht – wie furchtbar!
Vergleiche? Ich stelle mir vor: Eine gemeinsame Psalmlesung im Gottesdienst - Psalm 42 „Wie ein Hirsch lechzt nach frischem Wasser, so sehne ich mich nach dir, mein Gott.“ Ich höre nur „Hirsch“ und denke „Wildbraten“. Und dann: Hilfe! Ich muss die Wildschweinkeule in meiner Gefriertruhe mal langsam verarbeiten!
Oder: Im Hauskreis lenkt Jesus unsere Aufmerksamkeit auf die Nächstenliebe. Ich höre nur „Liebe“ und denke: Morgen früh beim Bügeln muss ich aber unbedingt die Wiederholung von „Sturm der Liebe“ gucken. Sonst weiß ich ja gar nicht mehr, was in dieser Soap los ist!
Interessant ist: Jesus, von dem wir doch immer sagen, dass er sich geduldig und liebevoll alles anhört, was wir im Gespräch mit ihm so von uns geben, kann sehr ungehalten reagieren, wenn wir auf sein Reden so gar nicht eingehen.

Jesus hörte es und sagte zu ihnen: „Was macht ihr euch Sorgen darüber, dass ihr kein Brot habt? Versteht ihr immer noch nichts? Begreift ihr denn gar nichts? Seid ihr genauso verstockt wie die anderen? Ihr habt doch Augen, warum seht ihr nicht? Ihr habt doch Ohren, warum hört ihr nicht?“


Ich halte fest: Wer nur mit seinen Ohren hört, wer nur um sich selbst und seine Bedürfnisse kreist und dabei wichtige Botschaften Gottes einfach nicht mitkriegt, der kann Jesus durchaus nerven! Und das ist überhaupt nicht komisch.

Montag, 24. Februar 2014

Hinterm Horizont...

...ich traue mich mal was zu probieren, was ich noch nie gemacht habe! Das ist aufregend - und trotz Angst ein gutes Gefühl!
Am Wochenende bin ich auf einer Tagung. Dort gibt es für die Teilnehmer die Möglichkeit, sich an einem "Pecha Kucha"- Abend zu beteiligen. "Pecha Kucha" ist eine interessante Möglichkeit, einen Vortrag zu halten. Der hangelt sich entlang an 20 Bildern, die für 20 Sekunden stehen bleiben, bevor es weiter geht. So ein Vortrag dauert also 6 Minuten und 20 Sekunden. Es ist klar, dass man sich für diese Form kurz fassen können muss!
Ich glaube, dass ich das kann. Und hoffe, dass mein Text auch ohne die passenden Bilder eine gute Geschichte erzählt. Hier der Text:

EINS:
HINTERM HORIZONT
startet mit einer Kindheitserinnerung:
Paketberge
Die wurden von Mama gepackt.
Sie gingen in ein völlig fremdes Land.
Das lag zwar „um die Ecke“.
Aber dort gab es keine Bananen.
Die Pakete gingen in meiner Heimatstadt auf die Reise.

ZWEI:
Iserlohn liegt im Sauerland mit besonders engen Tälern.
Ähnlich eng ist es dort in manchen Köpfen.
Mein Horizont war besonders eng, denn ich bin in einer strengen Brüdergemeinde aufgewachsen.
„Kunst“ kam dort irgendwie nicht vor.

DREI:
Die Pakete gingen nach Sachsen.
In der „Ostzone“ lebten gute Freunde meiner Eltern.
Die guckten heimlich Westfernsehen. Auch das hat ihren Horizont geweitet.
Vor der Wende war ihre Heimatstadt grau und trist.
Das Bunteste war die Bierwerbung.

VIER:
Manchmal fuhren Papa und ich „Transit“ durch die DDR.
Dann trafen wir uns mit Familie Pfeiffer in Ostberlin.
Auf DDR-Gebiet hatte ich immer Angst:
„Was ist, wenn die grimmigen Soldaten mich hier nicht wieder raus lassen?“
Die Vorstellung, in diesem „Gefängnisland“ bleiben zu müssen, hat mich sehr bedrückt.

FÜNF:
Bedrückend fand ich auch Ostberlin.
Was für ein Gegensatz zu dem Weltstadtflair auf dem Kudamm!
Der hat mich als Iserlohner Landpomeranze natürlich beeindruckt!
Aber Ostberlin war schlimmer als Iserlohn.
Groß, kalt, leer – und traurig.

SECHS:
Am traurigsten: Das Brandenburger Tor.
Dieses Bauwerk mit fünf breiten Durchfahrten sollte eine Verbindung sein.
Gedacht für ein Hin und Her, ein Symbol für Begegnung.
Vor der Wende war es bloß unerreichbar für uns.
Niemandsland, Todeszone.

SIEBEN:
Zehnte Klasse, Gymnasium: Klassenfahrt nach Berlin.
Wir hatten viel Spaß in der „Westzone“.
Aber natürlich mussten wir auch einen Tag „rüber“.
Das war für mich das erste Mal ein Grenzgang als Fußgänger.
Über S-Bahnhof Friedrichstrasse. GRUSELIG!

ACHT:
Papa und ich sind auch mal direkt bei Familie Pfeiffer gewesen.
Die Kreisstadt Karl-Marx-Stadt, die uns stolz präsentiert wurde,
hat mich so gar nicht vom Hocker gerissen.
Auch nicht der monumentale Kopf von Marx.
Fröhlich macht was anderes!

NEUN
Nun war meine Heimatstadt ja auch nicht das Gelbe vom Ei.
Aber wir hatten auf jeden Fall das bessere Bier! Und die buntere Werbung.
Und: Wir konnten Iserlohn jederzeit verlassen.
Sogar die ganze Welt bereisen, wenn wir wollten!

ZEHN
Warum ich trotz Beklemmung immer wieder mit bin in die DDR?
Ehepaar Pfeiffer hatte Kinder in meinem Alter.
Die waren witzig und liebenswert. Wenn wir zusammen waren und klönten, war das Gefängnis vergessen.
Oft habe ich davon geträumt, dass es die Mauer nicht mehr gibt.
Dass diese liebenswerte Familie auch einfach mal uns besuchen kann.

ELF:
Mit mir träumte einer, den ich damals gar nicht auf dem Schirm hatte.
Udo.
Bei meinem engen, frommen Horizont kam ein „Rockrebell“ mit einem „Panikorchester“ natürlich nicht vor.
Auch nicht Texte wie:
„Und Lola hat Geburtstag – und man trinkt darauf, dass sie wirklich mal so alt wird, wie sie jetzt schon aussieht.“

ZWÖLF:
„Und überhaupt ist heute wieder alles klar, auf der Andrea Doria“.
Udos „Likörelle“ muss man nicht schön finden.
Aber irgendwann Anfang der 80er fand sogar mein Papa Udo gut!
Immer mal wieder kicherte Väterchen vergnügt vor sich hin:
„Hallo Erich, kannst mich hörn? Hallololöchen-Hallo!“

DREIZEHN:
Und dann hat der Udo dem Honecker in Wuppertal eine Gitarre geschenkt.
Dazu prägte Udo den Spruch: Gitarren statt Knarren.
Später durfte Udo dann tatsächlich im Friedrichspalast auftreten. Allerdings nicht mit:
„Honi – du schließt dich ein auffem Klo und hörst West-Radio!“

VIERZEHN
Udos Bemühungen fanden später Anerkennung im vereinten Deutschland.
Nicht nur, dass es eine Udo-Briefmarkenedition gab -
mit dem Sonderzug nach Pankow.
1989  bekam Udo das Bundesverdienstkreuz.

FÜNFZEHN
So freundlich sieht es heute aus um diesen früher so ätzenden Grenzbahnhof Friedrichstrasse.
Für mich ist es auch nach 25 Jahren Mauerfall immer noch ein Wunder,
durch dieses „neue“, einladende Ostberlin zu spazieren.

SECHZEHN
Immer, wenn ich in Berlin bin, bummel ich ausgiebig  „Unter den Linden“ lang.
Dann stehe ich eine Weile andächtig unterm Brandenburger Tor.
Und feiere das Leben.
Udo feiert auch gerne.

 SIEBZEHN
Sein Lebensstil war nicht immer vorbildlich.
Dazu sein Freund Erwin Hilbert, der später Christ wurde:
„Irgendwann fragte Udo mich mal: Wie findet Gott eigentlich unseren Lebensstil?
- Nicht gut! -
Wir trösteten uns mit der Feststellung, dass Salomo ja auch 1000 Frauen gehabt hat.“        

ACHTZEHN
Udo setzt sich auch für Schwache ein.
Nicht nur für UNICEF, Afrika oder gegen Rechts.
Auch privat.
Nochmal sein Freund Erwin:
„Der Tag kam und ich sagte Udo, dass ich ihn beklaut hatte.
Er verzieh mir und rechnet mir bis heute nichts an.
Hier können Christen etwas von ihm lernen.“

NEUNZEHN
2008 haben mein Mann und ich Udo für uns neu entdeckt.
Wir haben „Stark wie Zwei“ auf längeren Autofahrten rauf und runter gehört.
Wir mögen die Mucke und die Texte.
Die Denkanstöße, den Witz, die Selbstironie.

ZWANZIG
Letztes Jahr saßen der Gatte und ich dann im Udo-Musical.
Ich schäme mich nicht zuzugeben: Das war Spitze!
Ein unterhaltsamer Einblick in die deutsch-deutsche Geschichte.
Bad Taste? So what!
Ich schließe mich von Herzen dem Gebet von Erwin an:
„Bitte, Gott, kümmer dich um dein schwarzes Schäfchen mit dem Hut!  AMEN!“

   


Samstag, 1. Februar 2014

Was für ein Luxus: Zeit haben

Vorgestern gegen 14.00: Ich hatte beschlossen, noch schnell in den Blumenladen zu flitzen. Zehn Tulpen wollte ich haben, um den Esstisch fürs Wochenende zu verschönern.
Der Laden war leer. Vor mir nur ein junger Mann in oranger Gummi-Arbeitshose, mit olivgrünem Parker und schwarzer Schlumpf-Wollmütze. "Das geht fix", dachte ich. Dann fiel mein Blick auf den Arbeitstisch und die Floristin. Der Tisch quoll über von Grün und Schleierkraut, die junge Dame war gerade damit beschäftigt, überflüssige Blätter von Blumen abzustreifen. Auf dem Tisch türmten sich bald sieben langstielige rosa Rosen, genauso viele pinke Rosen, pinke Gerbera und zwei Sorten lila Blumen, deren Namen ich nicht kenne.
Ich begann zu ahnen, dass es wohl doch noch ein Weilchen dauern würde, bis ich meine nackten Tulpen erwerben konnte.
Und das total Geniale: Es war mir egal! Ich war morgens schon beim Sport gewesen, hatte mit Mutter ihren Wocheneinkauf erledigt, hatte ausgiebig mit ihr zu Mittag gegessen. Ich hatte noch einen Schreibauftrag zu erledigen - aber da kam es auf ne halbe Stunde nicht an. Ich hatte an diesem Tag keinen Druck mehr im Nacken und konnte - warten.
Die Dame, die nach mir in den Laden kam, konnte das nicht. Nach fünf Minuten hat sie das Geschäft entnervt verlassen. Ich dagegen hatte die Muße, mir anzugucken, wie die Blumenkünstlerin aus dem ganzen Wirrwarr für den jungen Mann einen Strauß gebunden hat. Zum Schluss hatte sie ein irre dickes Bündel aus Stielen in der Hand. Ich habe die Kunst bewundert, mit der sie es festgehalten, am Ende zusammen gebunden und dann auf die gewünschte Länge beschnitten hat. Mir wäre dieses Bündel aus der Hand gefallen.  
Und dieser Strauß in rosa-pink-lila sah am Ende so schön aus! Der junge Mann hat dann genau 50 Euro dafür hin blättern müssen. Das hatte er offensichtlich so geplant, denn er strahlte begeistert, als er mit dem fetten Strauß aus dem Laden ging. Was mich dann wieder dazu brachte, mir Geschichten auszudenken. Für wen mag dieser wunderschöne Blumenstrauß wohl bestimmt gewesen sein?
Den ganzen Rest des Tages bin ich "geschwebt". Was für ein Geschenk, mitten im Alltag mal sagen zu können: Es kommt nicht auf zehn Minuten an. Und in Ruhe zu bewundern, wie gut andere Menschen ihre Arbeit machen. Ich habe die Floristin dann auch noch sehr für ihr Werk gelobt. Und habe nun im meiner Stadt eine neue wohlwollende Bekannte. :-)