Freitag, 29. November 2013

Theater im Gottesdienst...

...kann ein guter Aufhänger für die Predigt sein. Die folgende Szene aus meiner Feder hatte letzten Sonntag im Gottesdienst Premiere. Thema: "UN(D) - SICHER?" Unser Pastor konnte gut einhaken zum Beginn seiner Predigt. Die jungen Leute auf dem Schiff waren ganz sicher, dass sie eine Zukunft vor sich hatten. Und das ältere Ehepaar war sicher, dass es sein Ziel erreicht. Die Szene - ein Gleichnis für unser Leben?
Bühnenbild, Kostüme und Schauspieler waren jedenfalls genial! Da hatte ich als Texterin keine Aktien drin - und habe mich gefreut, was Tolles draus geworden ist!

   

Das Bühnenbild skizziert zwei Schiffsdecks übereinander. Unten für die 3. Klasse-Passagiere, drüber das für die 1. Klasse. Oben „lustwandelt“ ein reiches Paar und beobachtet zunächst, was „unten“ passiert.

Nelly und Tom stürmen mit einer Reisetasche aufs Zwischendeck. Nelly stellt sich sofort an die Reling und guckt auf den Hafen.

Nelly: Wir sind wirklich mit dem allerletzten Tender aufs Schiff gekommen! Gleich
legen wir ab!

Tom:   Wollen wir uns nicht erst mal zwei Kojen im Schlafsaal belegen?

Nelly:   Ach, Bruderherz! Die besten Plätze sind doch sowieso weg! Wir waren die Letzten! Lass uns lieber noch einen Blick auf Irland werfen. Vielleicht sehen wir unsere grüne Insel nie wieder!

Tom:   Ok, Nelly. Du hast Recht. Ob Vater und Mutter uns sehen können?

Nelly:   Quatsch! Kannst DU sie vielleicht sehen in der großen Menge dahinten im Hafen? Die Reede liegt zu weit von Queenstown weg!

Tom:   Ob wir sie je wiedersehen?

Nelly:   Natürlich werden wir das! Du und ich – wir werden in Amerika so viel Geld machen, dass wir ihnen bald die Schiffspassage bezahlen können.

Tom:   Ja! In Amerika kann es jeder zu was bringen!  Dort gibt es kein Heer von Arbeitslosen wie bei uns, das von der Hand in den Mund leben muss.

Nelly:   Und wie stolz und glücklich wird Vater sein, wenn er endlich die Freiheitsstatur sieht! Wie oft hat er uns erzählt, dass er vor Rührung geweint hat, als sie eingeweiht wurde.

Tom:   Das war 1886, oder? (Nelly nickt)Da war er zehn – halb so alt wie ich…

Nelly:   Und jetzt ist er schon 36. Ein uralter Mann…(sieht einen jungen Mann auf sich zu schlendern, ist entsetzt: ) Och nee, Tom! DER ist nicht wirklich auch auf unserem Schiff! (Patrick kommt dazu,)

Tom:   Na toll! Paddy, der Möchtegern-Don-Juan!         

Pat:     (verbeugt sich ironisch vor Nelly) Sieh an! Das schönste Mädchen unserer irischen Provinz kann nicht an sich halten und verfolgt mich nach Amerika.    

Nelly:   Gesegnet seien die, die nichts zu sagen haben und die Klappe halten!

Tom:   (zu Nelly) Der denkt wirklich, alle Mädchen in Queenstown sind in ihn verliebt! Und du auch!

Pat:     Natürlich ist sie das!

Tom:   So was Dummes muss ich mir nicht anhören! Ich belege uns schon mal zwei Kojen! (geht ab)

Pat:     (zu Nelly: ) Ich habe mir ne ganz passable Koje geangelt. Direkt an der Tür – mit viel frischer Luft. Du bist herzlich eingeladen, sie mit mir zu teilen…Versuchungen sollte man nachgeben, Schätzchen! Wer weiß, ob sie wieder kommen!

Nelly: Bravo! Du lebst echt nach dem Motto: Besser dumm wie alle als klug wie keiner. – Du bist nun wirklich keine Versuchung für mich. Ich angele mir in New York einen Millionär! Zum Heiraten!

Pat lacht sich kaputt.

Pat:     Nelly, wenn du drei Jahre wartest, dann bin ICH Millionär. Ich werde Filmstar! 

Nelly:   Filmstar? Meine Güte, Patrick Green, du bist so eingebildet, du verbeugst dich sogar, wenn der Regen an die Fenster klatscht! – Aber abgemacht! Treffen wir uns in drei Jahren an der Freiheitsstatur. Wenn du dann Millionär bist, werde ich dich heiraten. Es sei denn, ich habe meinen Traummann schon vorher gefunden.

Pat:     Und wenn die Amerikaner denken, du  gehörst zur letzten Art von Frauen?

Nelly:   Du dummer Tropf meinst, du kennst dich mit Frauen aus? Wie viel Arten soll es denn geben?

Pat:     Genau drei: Schöne Frauen, intelligente Frauen – und die Mehrheit.

Nelly:   Du bist wirklich eine Zumutung! Ich gehe jetzt Tom suchen! (Rauscht ab)

Pat:     (ruft ihr hinterher) Und vergiss nicht: Am 11. April 1915 haben wir ein Date an der Freiheitsstatur!  (zu sich) Mal gucken, was für Sahneschnitten sonst noch an Bord sind! Alleine in der Koje – das ist ja öde! (Geht ab)


Jetzt unterhält sich das Paar auf dem Oberdeck. Während der vorhergehenden
Szene hat man schon gemerkt, dass der Mann das Ganze amüsiert beobachtet hat,
während die Frau eher angewidert war.

Er:       Diese jungen Auswanderer sind entzückend lebendig! So voller Hoffnung und Träume! Und Witz haben sie auch.

Sie:     Entzückend? Witzig? Meine Güte! Die kommen aus der untersten Schublade! Kaum zu glauben, dass wir das Schiff mit ihnen teilen müssen!

Er:       Teilen ist etwas übertrieben, meine Liebe! Die Passagiere 3. Klasse haben keinen Zugang zu unseren Decks.

Sie:     Na, das wäre ja auch noch schöner! – Aber sag mal: Wie kommen die denn im Ernstfall zu den Rettungsbooten? Die gibt es doch nur hier oben.

Er:       Im Ernstfall werden die Sicherheitstüren zwischen den Klassen natürlich geöffnet. Aber bis die Leute von unten hier oben angekommen sind, wären vermutlich sowieso alle Rettungsboote belegt. Es gibt nicht genug Plätze für alle Passagiere.

Sie:     WAS! Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich mich nie von dir überreden lassen, diese Jungfernfahrt mitzumachen!

Er:       Du musst dir nun wirklich keine Sorgen machen, meine Liebe! Dieses Schiff ist unsinkbar. – Was hältst du von einem Schönheitsschläfchen? Damit wir für den Ball heute Abend frisch sind?

Sie:     Eine gute Idee mein Lieber! (Während sie abgehen: ) Und dieses Schiff ist wirklich unsinkbar?

Er:       Ganz sicher! Wir sind auf der Titanic!

                                                           ENDE



Samstag, 16. November 2013

Mein erster Vortrag mit Simultanübersetzung

Das fand ich heute beim Frauenfrühstück sehr spannend! Ein ganzer Achtertisch war mit gehörlosen Frauen besetzt und der gesamte Vormittag wurde in Gebärdensprache übersetzt. Im Anschluss kam eine dieser Frauen mit der Dolmetscherin auf mich zu und wir haben uns eine ganze Weile unterhalten. Während mein Gegenüber mit ihren Händen redete, hörte ich neben mir die Worte dazu. Ich habe auch Fragen gestellt und alles lief fast so flott wie eine "normale" Unterhaltung. Von meiner Gesprächspartnerin möchte ich gerne mehr "hören". Deshalb haben wir unsere Mailadressen ausgetauscht.
Ich war erschüttert, als ich erfuhr, dass gehörlose Kinder früher nicht mit den Händen reden durften. Sie wurden gezwungen, Laute zu bilden. Und von allem, was um sie rum gesprochen wurde, bekamen sie nichts mit. Was für eine Einsamkeit!
Erst in den letzten Jahren ist es besser geworden. Aber immer noch haben gehörlose Menschen viele Probleme. Es gibt zu wenig Gebärdendolmetscher - und die Frage ist auch immer: Wer bezahlt sie? Als Begleitung für Arztbesuche zum Beispiel. Oder als Übersetzer an Schulen und Universitäten. "Blinde sind von den Dingen getrennt", sagte meine Gesprächspartnerin. "Gehörlose sind von den Menschen getrennt."
Das leuchtete mir sofort ein. Wie soll ohne die Möglichkeit zur Kommunikation Beziehung entstehen? Ich bin sehr gespannt darauf, was ich per Email noch alles über die Welt der Gehörlosen lernen kann. Und ob das Schreiben dabei hilft, Brücken zu bauen.  

Samstag, 2. November 2013

Eigentlich fremd - und doch Zuhause

So habe ich mich heute Vormittag mal wieder gefühlt. Ich war als Referentin zum FFF der Kirche in Heeslingen. Das liegt zwischen Sittensen und Zeven auf dem Land. Gleich beim Ankommen war es schon eine schöne Atmosphäre. Und es ist selten, dass eine einzelne Gemeinde es schafft, 230 Frauen zu versammeln!
Pünktlich zur Gebetsgemeinschaft der Mitarbeiterinnen um 8.30 war ich da. Ich kannte ja Niemand - und trotzdem war ich sofort mittendrin. Ein Anliegen, eine Sprache - verbunden im Glauben. Das ist immer wieder ein wunderbares Erlebnis. Als überzeugter Christ gehört man eben zu einer großen, weltweiten Familie.
Keine Ahnung, ob ein - hm - Kaninchenzüchter? sich genauso fühlt, wenn er zum ersten Mal einen fremden Kaninchenzüchterverein besucht. Ich tippe auf "nein" - aber vielleicht wird mich Jemand eines besseren belehren?
Dieses "Geschwistergefühl" zu Menschen, die ich gar nicht kenne, von denen ich aber weiß, dass sie den selben Herrn haben wie ich - das ist schon was Besonderes. Ein großes Geschenk, das Gott seinen  Leuten gemacht hat. Ich freue mich dran!

Samstag, 26. Oktober 2013

Bangemachen gilt nicht!

Das sage ich mir so manches Mal, wenn ich als Rednerin zu einem Frühstücksvortrag eingeladen bin und beim Treffen vorher eine richtige Sahneschnitte da war. So, wie heute morgen in Warnemünde.

Eigentlich bin ich ja sehr relaxed dort angetreten. Am 22. Oktober erst hatten wir eine zehntägige "Sommerverlängerung" beendet. Wir waren an der Algarve und haben uns prächtig erholt. Bereits gestern bin ich dann nach Warnemünde aufgebrochen. Bei gutem Wetter habe ich einen zusätzlichen halben Urlaubstag genossen.
 
Heute morgen habe ich dann erfahren, dass die Warnemünder Frühstücksfrauen sich ein Treffen vorher Andreas Malessa als Redner gegönnt haben. Und natürlich schwärmten um mich rum die Frauen beim Frühstück immer noch von dem "wunderbaren Mann" und seinem "wunderbaren Vortrag". Da wackeln dann erst recht die Knie, wenn es in die "Bütt" geht. Dagegen kann man ja gar nicht anstinken!
Zum Glück musste ich das auch nicht. Bei den Warnemündern herrscht eine sehr freundliche, zugewandte Atmosphäre. Und es wird gerne gelacht. Da musste ich mich nicht vergleichen, sondern durfte einfach ich sein. Hätte ich mir vorher gar nicht so viele Gedanken machen müssen. Die Ironie vom Ganzen: Ich habe im Vortrag unter anderem davon gesprochen, wie destruktiv und blöd das ist, sich wegen "ungelegter Eier" verrückt zu machen. Habe ich mir also mal wieder selbst "gepredigt". :-) Ob ich jemals so souverän werde, wie ich gerne wäre?

Dienstag, 1. Oktober 2013

Da geht noch was!

Wie nett, wenn Tochter und Mutter denselben Männergeschmack haben!
Meine Älteste wird 28 - und ich werde 51. Gestern Abend bin ich von meiner Kleinstadt in SH bis zu ihrer Kleinstadt in SH eine halbe Stunde über Land gefahren. Dann sind wir in Elmshorn ins Kinocenter gegangen. Wir waren uns einig: Diesen Film wollen wir gucken http://www.dagehtnochwas-film.de

Echt nett! Ein Film über Generationskonflikte in einer Familie. Sehr unterhaltsam, sehr witzig und trotzdem mit Tiefgang - wenn man drüber nachdenkt jedenfalls. Eine starke Schauspieler-Riege vom Opa (Henry Hübchen) bis zum Enkel. Und mittendrin der Mann, der Mutter und Tochter vor allem in den Film gelockt hat: Florian David Fitz. Der ist Ende Dreissig - und in den meisten seiner Rollen generationsübergreifend sexy. Ok - "Jesus liebt mich" war ein Flop. Obwohl FDF auch da sensationell gut aus sah. Aber sonst sprang der Funke nicht über. Ist bei "Da geht noch was" ganz anders! Tochter und ich waren uns jedenfalls einig: Das war mal wieder ein wunderbarer Kinoabend!

Dienstag, 24. September 2013

Meine Blogeinträge werden seltener.

Ich glaube, dass liegt daran, dass ich noch lieber lebe als schreibe. Klar - wenn ich Aufträge bekomme für Artikel, Kurzgeschichten, Theaterstücke - dann macht mir das Spaß und meistens fällt mir auch was ein. Aber um so ohne Anstoß zu schreiben - dazu bin ich wohl nicht "Künstler" genug. In den letzten Wochen gab es so viel Spannenderes zu tun: Kranke in der Reha oder im Krankenhaus besuchen, mit lieben alten Freunden in Ruhe Tee trinken, Übernachtungsgäste beherbergen, eine Predigt halten, Vorträge vorbereiten...
Ich bin vor allem ein Beziehungsmensch. Ich liebe es, Gespräche zu haben. Auch Schreiben ist für mich vor allem eine Möglichkeit, zu kommunizieren.
Als Freiberufliche und Hausfrau kommen die Gelegenheiten dazu sogar unverhofft an die Haustür. Mit den Zeugen Jehovas halte ich immer einen netten Schnack - auch mit dem hausierenden Scherenschleifer. Letzte Woche hatte ich sogar ein Bild von einem Mann im Haus. Das war der Techniker, der unser Haus für "Quick-Tell" vorbereiten sollte. (Eine Alternative unserer Stadt zu den gängigen Internetanbietern.) Also - der Techniker war groß, muskulös, volle Haare, Dreitagebart, männliche Gesichtszüge, vielleicht Ende Dreißig. Für die Augen sehr attraktiv. Außerdem mochte er mich und wir haben ausgiebig geklönt. Nur leider, leider, klönte er im breitesten Hessisch. Sofort dachte ich an Heinz Schenk, Appelwoi und den "Bembel des Todes". (Ein geflügeltes Wort für die Kenner der uralten TV-Show "Zum Blauen Bock".)  Da war jeder Anflug von Erotik dahin - was ja bestimmt sehr nützlich und bewahrend war. :-) Eine interessante Begegnung war es trotzdem - und Stoff für eine neue Geschichte für irgendwann.
Aber wie angedeutet: Wenn das Leben abwechslungsreich ist und viel Spaß macht, ist es schwer sich aufzuraffen, darüber zu schreiben.    

Freitag, 6. September 2013

Strandgebete

Seit vorgestern bin ich zurück von wunderbaren acht Tagen auf "meiner Insel". Es war eine Auszeit ohne Anhang in der fast vierzig Jahre alten FeWo meiner Eltern. Norderney ist für mich geborene Sauerländerin meine eigentliche Heimat. Wir fuhren auch schon vor der FeWo dorthin. Bewusste Erinnerungen habe ich an die Insel, da war ich sechs. Das war vor ca. 45 Jahren. Mein Elternhaus ist inzwischen verkauft - die Insel und die Wohnung sind als Kontinuität in meinem Leben geblieben. Kein Wunder, dass ich so dran hänge!
Das Wetter war prima, ich bin jeden Tag drei bis vier Stunden stramm marschiert - am Strand oder übern Deich bis zum Leuchtturm. Je nachdem, ob Ebbe oder Flut war bei meinem Aufbruch.
Und ich staune, wie intensiv Gott auf einsamen Spaziergängen redet, wenn man ihn fragt!

Woher ich weiß, dass Gott geredet hat? Nun - er brachte mich auf Ideen, auf die ich selbst nie gekommen wäre! Zum Beispiel auf die, meiner Mama zu Ihrem Geburtstag nächste Woche einen liebevollen Brief zu schreiben. Eigentlich finde ich, dass ich das nicht muss. Ich date sie zweimal die Woche, erledige ihre Einkäufe, wasche ihre Wäsche, versuche immer wieder, sie zu einem Ausflug zu überreden, kümmer mich, wenn irgendwas nicht läuft - reicht das nicht, um auszudrücken, dass ich für sie da bin? "Nun", so schien es mir, sagte Gott ganz freundlich, "Du TUST etwas für sie. Aber manche Menschen müssen auch hören - wenigstens lesen - dass sie geliebt sind." Dem konnte ich nicht widersprechen - und schrieb diesen Brief.

Gott hat mir noch mehr aufgetragen - aber ich werde erst (oder "überhaupt) darüber schreiben, wenn ich es auch geschafft habe, gehorsam zu sein.

Jedenfalls sind Gebetsspaziergänge ganz genial. Also - zumindest kriegt man Antworten, wenn man Gott mal stundenlang befragt. Da bleibt kein Raum für Zweifel, ob er überhaupt da ist oder wirklich Interesse an Kommunikation mit uns hat. Allerdings - nicht alle Antworten, Aufträge und Denksanstöße sind im ersten (und zweiten und dritten...) Moment wirklich willkommen...

Strandgebete, Deichgebete und alle anderen ausführlichen Gebete haben ganz bestimmt Risiken und Nebenwirkungen! Missen möchte ich sie trotzdem nicht.