Dienstag, 9. November 2010

Hofnarren-Geplauder: Martha-Dienste

Also – dieser Begriff ist jetzt nicht gemeindepolitisch korrekt, sondern eine Erfindung. Er beschreibt jene Gemeindedienste, die in der Regel im Verborgenen geschehen und zu denen man nicht mehr braucht als gesunde Hände und Füße - und einen willigen Geist. Putzen gehört dazu, Tee- und Küchendienst oder die Gartenarbeit.

Jedes gesunde Gemeindeglied ohne Kleinstkinder oder Pflegefälle in der Familie könnte so einen Marthadienst also ab und an leisten. Wenn das nicht so ist, ergibt sich schon die erste Herausforderung für alle, die solche Arbeiten übernehmen. Wer da nicht geistlich sehr reif und gelassen ist, fühlt sich dann schon mal ausgenutzt, ähnlich wie Martha zu ihrer Zeit. Vor allem, wenn die ehrliche Wertschätzung für diese Dienste auch noch ausbleibt. Dabei gehören doch gepflegte Grundstücke, freundliche Gemeindehäuser und nette Bewirtung zu den Pfunden, mit denen wir als Gemeinden bei unseren Gästen punkten können.

Und Gott sei Dank gibt es überall Geschwister, die diese Dienste fröhlich und gerne tun. Vorbildlich voran gehen da oft unsere rüstigen Rentner – gerade auch bei der Gartenarbeit. Da ist es allerdings enorm hilfreich, wenn die Gärtner ein Team bilden. Sonst kommt es dazu, dass der Eine pflanzt und der Andere wieder ausrupft. Was dann negative Auswirkungen auf die gesamte Gemeindeatmosphäre haben kann.

Männliche rüstige Rentner sind auch eine willkommene Bereicherung im sonst eher einseitig weiblich besetzten Küchenteam. Interessanterweise verschlägt es häufig jene fitten älteren Herren in die Gemeindeküche, die gerne schäkern und Witze erzählen. Die zeichnen sich zwar manchmal nicht durch außerordentlichen Fleiß aus, machen aber so gute Stimmung, dass allen anderen die Arbeit flotter von der Hand geht. Charmante Kavaliere der wunderbaren alten Schule halt! Man sollte aber darauf achten, möglichst immer nur einen dieser Entertainer am Herd dabei zu haben. Zwei Komiker auf einmal können anstrengend sein.

Putzen ist auch anstrengend. Gesegnet ist die Gemeinde, die da eine begabte Orga hat! Jemand, der die Pläne erstellt, genau die Aufgaben beschreibt, für Nachschub an Putzmitteln sorgt und alle nötigen Utensilien in Ordnung hält. Wenn alles gut geregelt ist, ist hier ein idealer Aufgabenbereich für Einzelgänger. Die wissen dann zum Beispiel, dass sie alle sechs Wochen mit Kloputzen dran sind und können sich innerhalb dieses Rahmens ihre Zeit frei einteilen. Dann bleibt nur noch die Falle des Unbeobachtetseins: Wenn ich vertrauensvoll davon ausgehe, dass mein Vorgänger gut geputzt hat und mein Nachfolger gut putzen wird, dann besteht unter Zeitdruck die Gefahr des Drüberhuschens…

Trotz aller ungelobten Arbeit, trotz aller Herausforderungen und Fallen werden „Martha-Dienste“ in Treue ausgeübt. Gesund sind Gemeinden dann, wenn diese praktischen Arbeiten auf vielen Schultern verteilt sind. Solchen Gemeinden kann auch Großes anvertraut werden. Der französische Komiker Jacques Tati drückte diesen Zusammenhang so aus: „Wer sich zu wichtig für kleine Arbeiten hält, ist oft zu klein für wichtige Arbeiten.“

Dienstag, 2. November 2010

Ich trau mich was - und schreibe über meine Stärken

Ok - erstmal nur über meine größte. Ich will ja nicht gleich so dick auftragen. :-)
Ich glaube, meine größte Stärke ist, dass ich keine Schwierigkeiten habe, meine Fehler zuzugeben. Ich meine Fehler, die ich GEMACHT habe. Charakterfehler kann ich oft nicht zugeben, weil ich sie gar nicht erst einsehen mag.
Fehler MACHEN hingegen ist kein Makel, finde ich. Wie sollte ich mich verbessern können, wenn ich immer alles richtig mache? Dann wäre Lernen ja Zeitverschwendung.

Ganz frisch habe ich gelernt, dass meine These in einem meiner Blogkommentare nicht richtig ist. Ich war der Meinung, fromme Bücher wären IMMER teurer als andere. Gerade für "Engel singen nicht für Geld" das ich neulich so begeistert vorgestellt habe, trifft das aber nun nicht zu. Es ist gebunden, ansprechend illustriert und kostet nur 12,90 Euro. Das Buch ist seinen Preis wert und keinesfalls teurer als vergleichbare nicht fromme Werke.

So schwer ist das doch nun wirklich nicht, Fehler zuzugeben! Häufig erlebe ich aber das Gegenteil - Ausreden und Schuldverschiebung. Vielleicht liegt das daran, dass manche Menschen glauben, sie wären nicht mehr liebenswert, wenn sie etwas falsch machen.
Dabei verliebt sich doch kein Mensch in Aalglattes! Makel und Macken können sehr anziehend sein. Wenn ich Fehler zugebe, begegnet mir viel Sympathie.
Womit ich bei meiner Überzeugung bin, dass die größte Stärke auch die größte Schwäche sein kann. Ich muss sehr aufpassen, dass mein offener Umgang mit meinen Fehlern nicht zu einer Masche wird. Fehler eingestehen - das kann auch meiner Bequemlichkeit dienen und es schützt davor, dass Andere mit mir schimpfen. Es nimmt der Kritik den Wind aus den Segeln. Manchmal aber muss man sich dem Unmut der Mitmenschen aussetzen, um wirklich zu verstehen, warum etwas verändert werden soll.
Mein Titel von heute könnte also auch anders lauten:
Ich trau mich was - und schreibe über meine Schwächen.

Mittwoch, 27. Oktober 2010

Da lachen ja die Hühner!

Der Mensch - als Gattung hier betrachtet -
hält sich für ziemlich wert geachtet.
Von "Schöpfungskrone" kann man lesen,
von Herz, Verstand, mitleidgem Wesen.
Der Mensch hält sich für ziemlich fein,
manch' Tier legt da ein Veto ein.
Legehennen schrei'n: "Protest!
Der Mensch ist einfach nur die Pest!"
Rind und Pute stimmen ein,
nebst so manchem armen Schwein.

Arm sind auch viele Menschenkinder.
Bei uns hier ißt man täglich Rinder
bei "Mac" und "King" als Brotbelag -
der Arme kennt nur: Fastentag.
Das stört hier keinen großen Geist,
so lang der Mastbetrieb UNS speist.
Der Mensch bleibt halt ein Egoist,
der sich selbst der Nächste ist.

Doch seit gestern - welch ein Glück!
- ist die Empathie zurück.
Weltweit eint den Mensch der Schmerz,
er zeigt Gefühl und ganz viel Herz!
Es zieht ihn hin zum Tabernakel,
zur Urne vom WM-Orakel.
Ein Zoo im Pott wird Heiligtum,
verkündet des Verstorbnen Ruhm.
Auf Facebook liest man: "Schluchz und Jaul!
Wir trauern um die Krake Paul!"

Und das sind dann solche Sachen,
da fangen Hühner an zu Lachen.

Montag, 25. Oktober 2010

Engel singen nicht für Geld

Alle Jahre wieder im Herbst überschwemmen die Verlage den Markt mit Weihnachtsbüchern. Die fromm geprägten Unternehmen konzentrieren sich besonders auf weihnachtliche Geschichten. Entweder greifen sie dabei auf alte Meister zurück, oder sie lassen literarisch nicht unbedingt begabte Menschen erbauliche Geschichten erzählen - meistens jedenfalls.

"Engel singen nicht für Geld" aus dem Neufeld Verlag ist deshalb eine herausragende Neuerscheinung. Die Übersetzerin Hanna Schott weckt schon mit ihrer Einleitung Interesse für den Autor und seine Texte. Der Pfarrer Andre Trocme leistete gewaltlosen Widerstand, als Hitlers Truppen Frankreich besetzt hielten. Er trug entscheidend dazu bei, fast 5000 Menschen vor der Verfolgung durch die Nazis zu retten.

In seinen Geschichten, die literarische Qualität aufweisen, geht es nicht (nur) um das erste Weihnachtsfest vor 2000 Jahren. Sie sollten den damaligen Zuhörern zeigen, wo die Spuren des „Christkindes“ in ihrer Gegenwart zu entdecken waren. Deshalb sind sie bei aller heimeligen Atmosphäre gleichzeitig äußerst ungemütlich. Sie stellen auch heute noch unbequeme Fragen an Jeden persönlich und treffen mitten ins Herz.

Der Pfarrer nahm sich die Freiheit eines Künstlers. Er hielt sich nicht an alle Fakten der biblischen Geschichten. Dennoch erzählte er sie so, dass biblische Wahrheit auf den Punkt gebracht aus ihnen hervor leuchtet. "Die drei Weihnachten des Kornelius" zum Beispiel verbindet drei Texte aus der Bibel in künstlerischer Freiheit mit einer einzigen Person. Was dabei heraus kommt, ist das Evangelium pur, unterhaltsam und anrührend zusammengefasst. "Herodes XXI." ist eine Science-Fiction-Weihnachtsgeschichte aus der Nachkriegszeit, die auch heute noch aufwühlt und entlarvt.

Ich freue mich darüber, dass ich dieses Kleinod inmitten der Weihnachtsbücherschwemme für die kommende Adventzeit entdeckt habe. Wer sich mit mehr als dem üblichen Weihnachtskitsch beschäftigen möchte, wer sich auch gerne im Advent mal herausfordern lässt (geistlich UND geistig), dem empfehle ich dieses Buch von Herzen.

Dienstag, 19. Oktober 2010

Hofnarren-Geplauder: Technik im Gottesdienst

In frommen Kreisen hält sich hartnäckig das Gerücht, wir wären von Aliens unterwandert – von Außerirdischen also. Das liegt daran, dass der liebenswerte Bruder X und die wunderbare Schwester Y zu völlig fremdartigen Wesen mutieren, wenn sie ihres Amtes walten. Richtig! Es geht um die Techniker.

In der Regel hocken sie abgeschottet in ihrem eigenen Bereich. Manchmal ist es die Empore, manchmal ein eigens gezimmerter Verschlag am Rande des Gottesdienstsaals. Die Beleuchtung in dieser fremden Welt ist diffus, der Arbeitsbereich der andersartigen Wesen wird nur erhellt von winzigen Leselämpchen und dem Flackern der Computerbildschirme. Dieses dunkelbläuliche Flimmern mag mit dazu beitragen, dass die Techniker bei der Arbeit so außerirdisch blass erscheinen.

Die Szenerie erinnert an das Cockpit eines Raumschiffs. Und ähnlich wie seinerzeit Captain Kirk steuert der Obertechniker seine Crew souverän durch die unendlichen Weiten eines Gottesdienstes oder einer Veranstaltung. Souverän jedenfalls dann, wenn es keine Überraschungen gibt.

Beim letzten gemeinsamen Mittagessen kamen die Küchenfeen spontan auf die Idee, die Büffeteröffnung durch ein Gonggeräusch einläuten zu lassen. Da geriet die „Enterprise“ ins Schleudern! Drei blasse Wesen mit monströsen Kopfhörern bewegten sich hektisch im Internet. Am Ende kam dann doch die gute alte Mechanik zum Zuge. Ein beherzter Bruder brüllte vom Treppenabsatz: „Essen fassen!“

Aber selbst von langer Hand Geplantes läuft nicht immer glatt. Das liegt daran, dass auch die Experten die Technik nicht völlig im Griff haben können. Manchmal macht das Biest sich einfach selbstständig – mit Vorliebe über den Beamer. Da stellt sich im Gottesdienst zum Beispiel ein Hauskreis vor. Fotos sollen zur Auflockerung beitragen. „Hier seht ihr Ingrid und Peter“, sagt der Moderator. Aus irgendeinem Grund zeigt sich aber ein späteres Foto. Man wollte auch noch vom letzten Ausflug berichten und siehe da: Bei „Ingrid und Peter“ erscheint ein Bild aus dem Zoo. Grimmig blickt ein Gorillapäärchen überlebensgroß auf die Gemeinde herab.

Sofern sie es in der Hand haben, sind die Techniker aber Perfektionisten. Gerade die Beleuchter laufen zur Höchstform auf, wenn es Theater in der Gemeinde gibt. Da wird professionelles Equipment zusammen geliehen, dass es eine Pracht ist! Das Krippenspiel des Kindergottesdienstes wird durch Technik extrem aufgepeppt. Maria und Josef auf der Herbergssuche kommen endlich mal authentisch rüber, wenn sie sich hustend durch die beißenden Schwaden der Nebelmaschine quälen. Und die Zuschauer in den ersten drei Reihen leiden wirklich richtig mit den Beiden mit!

Der Verkündigungsengel wabert himmlisch in einem zuckenden Spezialblitzlicht und wirkt dabei so furchterregend, dass sich alle Kleinkinder heulend unter die Stühle verkriechen. Da macht das „Fürchtet euch nicht!“ doch wenigstens Sinn!

Nicht immer dient die Technik dazu, die Ehrfurcht zu steigern. Manchmal erdet sie auch heilige Atmosphäre. Das kann beim Singen von Adventsliedern passieren. Dann ist die Stimmung vielleicht gerade so richtig andächtig. Und plötzlich bricht Getuschel und Gegrinse sich Bahn. Schuld ist eine Textzeile wie diese an der Wand: „Es HAART die Braut so lange schon…“

Mittwoch, 13. Oktober 2010

Plötzlich und unerwartet: Schluss mit lustig

Das Leben wird nicht mit Filmmusik untermalt. Wenn es so wäre, hätten dumpfe Trommeln und klagende Geigen meinen Mann und mich gestern Abend vorgewarnt, als wir beschwingt aus unserer Haustür traten.
Am Spätnachmittag waren wir erholt und fröhlich aus dem Kurzurlaub zurückgekehrt. Fünfeinhalb goldene Oktobertage auf der Insel Föhr lagen hinter uns. Unterkunft, Wetter, Harmonie - das waren alles lauter Sahneschnitten. Die wollten wir bei unserem Lieblingsitaliener zu Ende feiern. Während des acht-minütigen Fußmarsches freuten wir uns auf Toni, Inhaber und Seele des "La bella vita". Und wir überlegten, während uns das Wasser im Mund zusammen lief, ob wir uns den Rotbarsch in Cherrytomatensoße oder doch lieber die Scampi Ferrari gönnen sollten.
Vor dem Restaurant angekommen, sahen wir schwarz. Die warme Außenbeleuchtung fehlte, hinter den Fenstern war es dunkel. Dann fiel unser Blick nach unten, auf die vielen Grablichter, Blumen und Karten auf der Türschwelle. Darüber hing ein Zettel "Wegen Todesfall geschlossen". Wir machten uns Sorgen um Toni, hatten Angst, dass er seine Mutter, seine Frau oder eines seiner drei Kinder verloren hatte.
Dann entzifferten wir im Schein der Kerzen einige der Beileidstexte. Immer wieder mussten wir lesen: "Ciao, Toni".
Wir wissen noch nicht, was genau passiert ist. Toni war Mitte dreissig, lebenslustig, herzlich, zugewandt - der geborene Gastgeber. Vermutlich geht es um ihn in einer Zeitungsnotiz über einen tödlichen Autounfall in der Nacht von Samstag auf Sonntag.
Heute habe ich auch eine Blume und eine Beileidskarte vor die Restauranttür gelegt.
Wir sind tief betroffen. Sicher - Toni war kein enger Freund. Aber irgendwie doch. Sein Ristorante war auch ein Stück Zuhause für uns. Lecker Essen, ein guter Wein und das Gefühl, herzlich Willkommen zu sein - was gibt es Besseres, um am Ende einer stressigen Woche den Feierabend einzuläuten?
Wir sind nie auf die Idee gekommen, dass wir Tonis Geplauder und Geschichten mal nicht mehr genießen könnten.
Nun ist er für immer verstummt. "La bella Seniora" - das werde ich so nie wieder hören.

Mittwoch, 6. Oktober 2010

Hofnarren-Geplauder: Leben im Gemeindehaus

Zu den liebenswertesten Zügen eines normalen Gemeindemenschen gehört die starke emotionale Bindung an das Gemeindehaus. Für viele von uns ist es quasi ein ausgelagertes Wohnzimmer. Rein logisch betrachtet ist das gar nicht so verwunderlich. Wer über Jahre Monat für Monat brav seinen Zehnten abliefert, darf nach einiger Zeit mit Fug und Recht von MEINEN fünf Stühlen sprechen – oder von MEINEM Beamer. Und während der Beamer meist hoch oben an der Decke hängt und somit nicht so einfach kurzzeitig für private Zwecke zu entfernen ist, verhält sich das mit Gegenständen in Greifnähe ganz anders.

So kommt es zu dem Phänomen, dass in kaum einer Gemeindeküche Haushaltsscheren zu finden sind. Und das, obwohl so etwa alle 14 Tage eine gute Seele ein neues Exemplar in der Schublade mit dem Küchengarn und dem Tesa deponiert. Zumindest ist es die Schublade, wo diese beiden Rollen zu finden sein sollten. Aber die sind auch nie da. In Waschmaschinen verschwinden auf mysteriöse Art regelmäßig rechte oder linke Socken. Und ein Gemeindehaus ist ein schwarzes Loch für Werkzeuge aller Art.

Das Loch schluckt aber auch weniger praktische Dinge. Genervte Dekoteams wissen ein Lied davon zu singen, auch der Kostümfundus in Theaterschränken schrumpft. Meistens fehlen die hässlichsten Mützen und die Engelsflügel aus vergoldeter Pappe. Anders als Socken nach der Wäsche taucht so was aber nicht selten wieder auf. Allerdings leicht ramponiert. So vermisste eine Gemeinde in Norddeutschland neulich zwei Trennwände zwischen Urinalen. Diese fanden sich dann per Zufall mit abgebrochenen Füßen in der hintersten Ecke eines Abstellraums. Ein unbekanntes gutes Herz verschraubte sie wieder am angestammten Platz. Auch Heinzelmännchen fühlen sich zuhause in der Gemeinde…

Diese Heinzelmännchen sind für Wunder aller Art verantwortlich. Manchmal gibt es plötzlich Dinge im Gemeindehaus, die vorher dort nicht existierten. Auf solch wundersame Art erscheinen gerne großgewachsene Pflanzen. Am Tag vorher war noch alles wie immer – und über Nacht sind sie da. Entweder stehen sie im Foyer herum oder direkt neben der Kanzel. In der Regel sind sie imponierend hoch – zu hoch für normale Wohnzimmer – aber wirken ansonsten eher spärlich, ein bisschen schwach auf der Brust und irgendwie verhungert.

Eine ähnliche Überraschung erlebte ein Putzteam neulich zwischen zwei Diensten. Beim letzten Mal war noch alles in Ordnung gewesen, aber jetzt hockten sie dort: Auf der erhöhten Fensterbank, direkt visavis der ohnehin schon geschändeten Urinale lauerten zwei Porzellanfische. Sie waren glänzend weiße Seifenspender, mit großen Köpfen, blau angemalten Glupschaugen und dicken rosa Kussmäulern. Irgendwo hatten Heinzelmännchen ein Badezimmer renoviert und es nicht übers Herz gebracht, die Fische zu entsorgen. Vielleicht sind sie ja Familienerbstücke?

Da fällt mir ein: Ich habe noch das Bildnis eines röhrenden Hirschen von Opa im Keller. Passt nicht in mein Wohnzimmer, ist aber zu schade zum Wegschmeißen. Und diese eine Wand im Gemeindefoyer wirkt doch immer so kahl…